Eine Studie prognostiziert magere Jahre für die deutsche Industrie. Neue Absatzmärkte in Europa und Schwellenländern sollen die Lücke füllen.
Die deutsche Exportmaschine verliert an Kraft. Deloitte rechnet für die kommenden zehn Jahre nur noch mit einem jährlichen Plus von 1,3 Prozent bei den Industrieausfuhren. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahrzehnt waren es noch 2,1 Prozent. Schuld sind Zollstreitigkeiten und wachsende Abschottung wichtiger Volkswirtschaften. Die bisherigen Zugpferde ziehen nicht mehr. Sowohl in den USA als auch in China erwartet Deloitte Rückgänge: 1,5 Prozent Minus pro Jahr Richtung Amerika, 1,7 Prozent Richtung Fernost.
Die Rettung liegt näher als gedacht. Frankreich hat die Volksrepublik bereits als zweitwichtigsten Abnehmer deutscher Waren verdrängt. Oliver Bendig, bei Deloitte für Industrieberatung zuständig, erwartet, dass auch die Niederlande und Großbritannien in wenigen Jahren an China vorbeiziehen. Polen wächst mit knapp drei Prozent jährlich und könnte die Volksrepublik bis 2035 ebenfalls überholen. Noch dynamischer entwickeln sich Indien, Brasilien und Australien mit Raten von bis zu 4,7 Prozent.
Die Studienautoren mahnen zum Handeln. Jüngste Vereinbarungen mit Indien und dem südamerikanischen Mercosur-Block stimmten hoffnungsvoll, sagt Bendig. Doch Lieferkettenexperte Jürgen Sandau ergänzt: Hoffnung allein reiche nicht. Unternehmen müssten ihre Absatzmärkte breiter streuen, Europa seine internen Handelsbarrieren abbauen. Dann könnte der Kontinent die Ausfälle in Übersee mehr als wettmachen.




