Neue Destatis-Zahlen zeigen ein widersprüchliches Bild: Mehr Unternehmensgründungen und weniger Betriebsaufgaben stehen steigenden Insolvenzen und massivem Stellenabbau in der Industrie gegenüber.
Im ersten Halbjahr 2026 wurden in Deutschland rund 352.400 Gewerbe neu gegründet, ein Plus von 8,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Rund 69.600 davon rechnet das Statistische Bundesamt Gründungen größerer wirtschaftlicher Bedeutung zu, ein Plus von 3,0 Prozent. Gleichzeitig sank die Zahl vollständig aufgegebener größerer Betriebe um 3,8 Prozent auf rund 49.800. Parallel bleibt der Druck auf bestehende Unternehmen hoch: Von Januar bis Mai wurden 10.546 Unternehmensinsolvenzen registriert, 4,9 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Forderungen der Gläubiger sanken trotz steigender Fallzahlen allerdings von 25,7 auf rund 15,4 Milliarden Euro. Am höchsten ist die Insolvenzhäufigkeit in Verkehr und Lagerei mit 57,2 Fällen je 10.000 Unternehmen, gefolgt vom Gastgewerbe mit 49,2 und dem Baugewerbe mit 44,0 Fällen.
Noch deutlicher als die Insolvenzzahlen fällt die Entwicklung der Industrie ins Gewicht: Im Verarbeitenden Gewerbe gingen binnen eines Jahres 144.100 Arbeitsplätze verloren, ein Rückgang um 2,7 Prozent auf noch 5,29 Millionen Beschäftigte. Besonders hart trifft es die Automobilindustrie, dort sank die Beschäftigung um 5,8 Prozent auf nur noch 691.500 Personen, so wenige wie zuletzt 2005. Bei den klassischen Teilezulieferern fiel der Rückgang mit 7,6 Prozent noch stärker aus. Auch die Metall- & Chemieindustrie, sowie Elektrotechnik und Maschinenbau verlieren Beschäftigte. Deutschland hat damit kein Gründungsproblem, sondern eher ein Skalierungs- und Strukturproblem. Entscheidend wird sein, wie viele der neuen Unternehmen zu größeren Arbeitgebern heranwachsen.




