Die Bostoner PE-Firma Ethos Capital hat eine KI namens Petra entwickelt, die tief in nahezu jeden Bereich des Geschäfts eingebunden ist. Sie prüft Deals, überwacht Portfoliounternehmen und behält sogar die Arbeit der eigenen Mitarbeitenden im Blick.
Die Bostoner Private-Equity-Firma Ethos Capital hat über rund fünf Jahre eine KI namens Petra entwickelt und auf mehr als 50.000 Datenquellen von Deal-Unterlagen bis zu öffentlichen Nachrichten trainiert. Heute ist Petra in nahezu jeden Bereich des Geschäfts eingewoben: Von der Filterung eingehender Pitch-Decks über die erste Due Diligence bis zum Monitoring von Portfoliounternehmen. Co-Founder und Managing Partner Fadi Chehadé sagt, die 7 Milliarden Dollar schwere Firma nutze KI sogar, um die Arbeit der eigenen Mitarbeitenden im Blick zu behalten. Petra führt die erste Prüfung jedes Pitches durch, bewertet Kandidaten gegen bevorzugte Kennzahlen und identifiziert Stärken und Risiken. Was früher zwei bis vier Wochen dauerte, ist laut Chehadé heute in rund einer halben Stunde erledigt.
Petra hat auch Einblick in das Innenleben der Firma: Das System erfasst jede E-Mail, jede Kalendereinladung und jede Slack-Nachricht und leitet Informationen an die Personen weiter, die sie nach seiner Einschätzung benötigen. Chehadé weist die Beschreibung als Überwachung zurück und betont, die Daten würden nur nach sorgfältig gestalteten Regeln zu Datenschutz und Zugriffsrechten geteilt. Nitin Gupta von Flexstone Partners nimmt die Begeisterung der Branche für KI dagegen mit Vorsicht, er schätzt menschliches Urteilsvermögen deutlich höher und warnt vor sogenannten Halluzinationseffekten. Chehadé selbst betont, er könne Maschinen solche Entscheidungen nicht anvertrauen, weil sie nach Logik, aber nicht nach Gewissen handelten. Ein von Petra entworfener Text werde deshalb immer erst von einem Menschen geprüft, bevor er verschickt wird.




