Die neue Jahresstudie der Kanzlei verzeichnet 1,2 Milliarden Euro an Bußgeldern und einen sprunghaften Anstieg gemeldeter Datenschutzverletzungen.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Im Schnitt melden europäische Unternehmen mittlerweile 443 Datenschutzverletzungen pro Tag. Das entspricht einem Anstieg von 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr und markiert einen neuen Höchststand seit Inkrafttreten der DSGVO 2018. DLA Piper analysiert diese Entwicklung in der achten Ausgabe des jährlichen GDPR Fines and Data Breach Survey. Sabine Fehringer, Partnerin bei DLA Piper Österreich und Leiterin des Bereichs IPT, wertet den Trend als ernstes Warnsignal für die Wirtschaft.
Europäische Aufsichtsbehörden verhängten 2025 erneut Bußgelder in Höhe von rund 1,2 Milliarden Euro. Die Summe entspricht nahezu exakt dem Vorjahreswert. Seit Mai 2018 akkumulierten sich die Strafen auf insgesamt 7,1 Milliarden Euro. Das konstante Niveau zeigt: Trotz politischer Kritik von außerhalb der EU lassen sich die Regulierer nicht beirren. Die Durchsetzungsbereitschaft bleibt ungebrochen.
Die irische Datenschutzkommission dominiert die europäische Statistik mit 4,04 Milliarden Euro an kumulierten Bußgeldern. Im April 2025 verhängte die Behörde zudem die höchste Einzelstrafe des Jahres: 530 Millionen Euro gegen ein Social-Media-Unternehmen. Der Grund: unzureichender Schutz bei Datenübermittlungen nach China. Erstmals traf eine derart hohe Sanktion Transfers in ein Nicht-US-Drittland. Die Botschaft ist klar: Aufsichtsbehörden prüfen internationale Datenflüsse unabhängig vom Zielland.
Neun der zehn höchsten DSGVO-Bußgelder betrafen Technologie- und Social-Media-Konzerne. Den Rekord hält weiterhin Meta Platforms Ireland Limited mit 1,2 Milliarden Euro aus dem Jahr 2023. Doch der Fokus weitet sich. Finanzdienstleister, Telekommunikationsunternehmen, Energieversorger und IT-Dienstleister geraten zunehmend ins Visier. Auch Auftragsverarbeiter wurden 2025 mehrfach direkt sanktioniert. Die Lieferkette rückt damit stärker in den Blickpunkt der Regulierung.
Was treibt den Anstieg der Datenpannen? Die Studie nennt mehrere Faktoren. Geopolitische Spannungen schaffen ein Klima erhöhter Cyberaktivität. KI-gestützte Angriffswerkzeuge senken die Einstiegshürden für Kriminelle. Neue Gesetze erweitern Meldepflichten und erhöhen damit statistisch die erfassten Vorfälle. Fehringer mahnt Unternehmen, ihre Abwehrmechanismen und operative Widerstandsfähigkeit dringend zu verbessern. Aktuelle Cybersicherheitsvorschriften sehen teils persönliche Haftung für Führungskräfte vor.




