EU-ETS 2: PwC warnt vor Abwarten

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February 5, 2026
05.02.2026
3 Minuten Lesezeit

Ein neues Whitepaper analysiert das kommende EU-ETS 2 und mahnt Unternehmen zur frühzeitigen Vorbereitung auf den Emissionshandel.

Orientierungshilfe für regulatorisches Neuland

Was bedeutet das zweite europäische Emissionshandelssystem konkret für betroffene Firmen? PwC Deutschland hat gemeinsam mit enmacc, Europas größter digitaler OTC-Handelsplattform für Energie, ein Whitepaper veröffentlicht, das genau diese Frage beantwortet. Die Autoren ordnen das regulatorische Rahmenwerk ein, erläutern die Funktionsweise des Marktes und identifizieren zentrale Handlungsfelder. Partner Carsten Buhl betont, dass EU-ETS 2 kein kurzfristiges Phänomen darstelle, sondern ein dauerhaft relevanter Bestandteil des europäischen Energiemarkts werde.

Anderer Ansatz als beim Vorgänger

Das neue System unterscheidet sich grundlegend von EU-ETS 1. Statt bei Anlagenbetreibern setzt die Verpflichtung künftig bei den Inverkehrbringern fossiler Brennstoffe an. Raffinerien, Mineralölgroßhändler, Erdgaslieferanten und Importeure geraten damit in den Fokus. PwC spricht von einem Upstream-Ansatz im Gegensatz zum bisherigen Downstream-Modell. Endverbraucher bleiben formal außen vor, spüren die Auswirkungen aber über höhere Preise.

Echte Preisrisiken statt Planungssicherheit

Anders als im nationalen Emissionshandel existieren keine Festpreise. Das Whitepaper betont die vollständig marktbasierte Ausgestaltung mit entsprechenden Volatilitäten. Sämtliche Zertifikate gelangen ausschließlich über Auktionen in den Markt. Kostenlose Zuteilungen sieht das Regelwerk nicht vor. Da der direkte Börsenzugang hohe Hürden aufweist, werden die meisten Unternehmen am Sekundärmarkt einkaufen müssen.

Integration in bestehende Strukturen

PwC empfiehlt, das neue Handelssystem frühzeitig in vorhandene Prozesse einzubetten. Governance, Risikomanagement, Treasury, IT-Systeme und Reporting müssen angepasst werden. Die gute Nachricht: Viele Verpflichtete verfügen bereits über Erfahrungen aus dem nationalen System oder EU-ETS 1. Diese Grundlagen gilt es nun weiterzuentwickeln. Wer die notwendigen Änderungen rechtzeitig plant und testet, verschafft sich Handlungsspielraum.

Abwarten als riskante Strategie

Politische Unsicherheiten verleiten derzeit zum Zögern. Verschiedene Akteure drängen auf Verzögerungen oder zusätzliche Stabilisierungsmechanismen. Diese Zurückhaltung sei nachvollziehbar, so die PwC-Analyse, berge aber erhebliche Gefahren. Wer zu lange wartet, riskiert einen Markteintritt unter ungünstigen Bedingungen. Bei Nichterfüllung der Abgabepflicht drohen 100 Euro Strafe pro fehlender Tonne CO₂. Das Whitepaper plädiert daher für robuste Entscheidungen zur Risikobegrenzung statt perfekter Prognosen.