EY: CEOs trotzen der Konjunktur

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February 5, 2026
05.02.2026
2 Minuten Lesezeit

Die neue EY-Umfrage offenbart eine bemerkenswerte Diskrepanz: Während die Weltwirtschaft Sorgen bereitet, bleiben Vorstände für ihr eigenes Geschäft zuversichtlich.

Zwei Welten in einer Umfrage

Selten klafften Makro- und Mikroerwartungen so weit auseinander. Der CEO Outlook Survey von EY für Januar 2026 dokumentiert einen deutlichen Stimmungseinbruch bei der globalen Konjunktureinschätzung. Nur noch 24 Prozent der befragten Konzernlenker prognostizieren eine positive wirtschaftliche Entwicklung, im September waren es noch 35 Prozent. Der Anteil optimistischer Stimmen insgesamt fiel von 84 auf 68 Prozent. Gleichzeitig rechnen über 90 Prozent derselben Führungskräfte mit Umsatzwachstum im eigenen Unternehmen. Die Befragung erfasste 1.200 Vorstandsvorsitzende aus unterschiedlichen Branchen zwischen Dezember 2025 und Januar 2026.

Technologie als Rettungsanker

Wie passt das zusammen? Die Antwort liefert ein Blick auf die Investitionsprioritäten. Künstliche Intelligenz verdrängt klassische Hebel wie Kostensenkungen oder regionale Fertigung von der Spitze der strategischen Agenda. Fast vier von fünf CEOs berichten, dass ihre bisherigen KI-Projekte die Erwartungen erfüllt oder übertroffen haben. Lediglich drei Prozent verzeichnen negative Erfahrungen. Gunther Reimoser, Country Managing Partner von EY Österreich, ordnet ein: Kostenvorteile und beschleunigte Produktentwicklung seien die erhofften Effekte. Entscheidend bleibe jedoch die organisatorische Fähigkeit, diese Technologie sinnvoll zu skalieren.

Geopolitik erzwingt Beweglichkeit

Die Planungssicherheit vergangener Jahrzehnte existiert nicht mehr. 83 Prozent der Befragten haben ihre Investitionsvorhaben aufgrund politischer oder wirtschaftlicher Risiken angepasst. Das Spektrum der Reaktionen ist breit: Manche stoppen Projekte, andere beschleunigen sie gerade deshalb. Knapp ein Viertel wagte erstmals den Schritt in neue Märkte, 17 Prozent zogen sich aus bestehenden Regionen zurück. Auffällig sind die regionalen Unterschiede. Asiatische Unternehmen agieren offensiv, chinesische Firmen ziehen Vorhaben besonders häufig vor. Deutsche und französische Konzerne zeigen sich vorsichtiger.

Übernahmen gewinnen an Attraktivität

Der Appetit auf M&A-Transaktionen wächst. Mehr als die Hälfte der CEOs plant Fusionen oder Zukäufe, ein Anstieg gegenüber dem Vorquartal. Eva-Maria Berchtold von EY-Parthenon Österreich dämpft jedoch die Euphorie: Regulatorische Hürden und geopolitische Unwägbarkeiten führten weiterhin zu Verzögerungen. Als bevorzugtes Zielgebiet dominieren die USA mit deutlichem Abstand, gefolgt von Kanada und Deutschland.