Eine neue Deloitte-Studie sieht 2026 als Wendejahr: Künstliche Intelligenz wandert in Roboter und Maschinen, mit erheblichen Folgen für Kosten und Organisation.
Chatbots und Analysetools waren erst der Anfang. Die 17. Ausgabe der Deloitte Global Tech Trends beschreibt einen fundamentalen Übergang. Künstliche Intelligenz emanzipiert sich von Bildschirmen und Servern. Sie dringt in Fertigungsstraßen vor, steuert Fahrzeuge und vernetzt Infrastrukturen. Diese Physical-AI-Systeme registrieren ihre Umgebung, ziehen Schlüsse aus Beobachtungen und agieren ohne menschlichen Anstoß. Bernhard Göbl, Partner bei Deloitte Österreich im Bereich Technology & Transformation, sieht darin eine qualitative Veränderung. Die Technologie werde vom Analysewerkzeug zum handelnden Akteur in der physischen Welt.
Gleichzeitig entwickeln sich sogenannte Agentic-AI-Systeme. Diese Programme beschränken sich nicht auf isolierte Aufgaben. Sie orchestrieren komplette Prozessketten, treffen Folgeentscheidungen und passen ihr Verhalten an wechselnde Bedingungen an. Kundenbetreuung, technische Steuerung und Ressourcenplanung werden zu typischen Einsatzgebieten. Göbl warnt allerdings vor einem verbreiteten Denkfehler. Wer bestehende Abläufe lediglich automatisiere, schöpfe das Potenzial nicht aus. Agentische Systeme erforderten einen Perspektivwechsel: klare Rollendefinitionen, Verantwortungsstrukturen und Kontrollinstanzen, wie sie für menschliche Mitarbeitende selbstverständlich seien. Das verändere Führungsverständnis und Organisationsdesign.
Ein überraschendes Muster zeichnet sich ab. Obwohl Rechenleistung kontinuierlich günstiger wird, wachsen die Gesamtinvestitionen in KI erheblich. Der Grund: Komplexere Anwendungen, höhere Datenvolumina und aufwendigere Infrastrukturen treiben die Budgets nach oben. Klassische Cloud-Strategien stoßen dabei an Grenzen. Andreas Auer, Senior Manager bei Deloitte Österreich, empfiehlt eine differenzierte Architektur. Unternehmen sollten flexible Cloud-Dienste mit eigenen Rechenzentren für Daueranwendungen und dezentralen Systemen für latenzarme Prozesse kombinieren. Frühzeitige Festlegung der Aufgabenverteilung schaffe Vorsprung.
Die Technologieabteilungen erleben einen Rollenwandel. Systembetrieb tritt in den Hintergrund, Gestaltungskompetenz rückt vor. IT wird zur Schnittstelle zwischen Belegschaft, Maschinen und algorithmischen Akteuren. Gewohnte Zuständigkeiten lösen sich auf, permanente Anpassung wird zum Normalzustand.
Mit der Verbreitung wachsen die Angriffsflächen. Manipulierte Trainingsdaten, kompromittierte Modelle und verwundbare Infrastrukturen erfordern neue Sicherheitskonzepte. Auer betont: Schutzmaßnahmen seien kein Hindernis für Innovation, sondern deren Voraussetzung.




