Während Algorithmen bereits zwei Drittel typischer Managementtätigkeiten übernehmen könnten, wächst die Arbeitslosigkeit unter Führungskräften. Experten warnen vor falschem KI-Einsatz und fordern ein strategisches Umdenken.
SBS-Sozialwissenschaftler Michael Gerlich bringt es auf eine provokante Formel: Wer KI nur zur Beschleunigung von Routinen nutzt, statt damit das eigene Denken zu schärfen, macht sich selbst entbehrlich. Die Statistik gibt ihm Rückenwind: Laut Bundesagentur für Arbeit nahm die Zahl stellensuchender Manager 2025 um über 14 Prozent zu, parallel stuft der Job-Futuromat 67 Prozent klassischer Führungstätigkeiten als maschinell übernehmbar ein. Headhunter wie Bernhard Stieger testen KI-Verständnis deshalb mittlerweile gezielt im Auswahlprozess.
Bain-Deutschlandchefin Christina Ellringmann zeichnet ein ernüchterndes Bild: Rund 80 Prozent der Konzernlenker weltweit seien mit dem Stand ihrer KI-Transformation unzufrieden. Zusammengewürfelte Einzellösungen ohne übergeordneten Plan blieben wirkungslos. Gerlich rät stattdessen, Formate zu schaffen, die kritisches Hinterfragen automatisierter Abläufe zum festen Bestandteil der Unternehmenskultur machen, wie es etwa Lego mit seinen offenen Diskussionsrunden praktiziere.
An den Hochschulen spitzt sich das Spannungsfeld zu: Über 90 Prozent der deutschen Studierenden arbeiten bereits mit KI-Werkzeugen. Manche Fakultäten halten bewusst dagegen, etwa die Rechtsfakultät der University of Chicago, die Anfängern digitale Hilfsmittel in Lehrveranstaltungen komplett untersagt, um analytische Grundfähigkeiten zu festigen, bevor juristische KI-Anwendungen ins Spiel kommen.




