Subventionen, Steuervorteile und wegbrechende Energiesteuereinnahmen belasten die öffentlichen Kassen bis 2030 massiv.
Der deutsche Staat pumpt Milliarden in die Elektromobilität. Die Bundesregierung gewährt ab dem kommenden Jahr erneut Kaufprämien von bis zu 5.000 Euro für Haushalte mit niedrigen bis mittleren Einkommen. EY prognostiziert einen Anstieg des Elektrofahrzeugbestands einschließlich Plug-in-Hybriden von aktuell 3,2 Millionen auf 9,4 Millionen Fahrzeuge bis 2030. Doch ohne staatliche Unterstützung würde der Markt kollabieren. Eine EY-Befragung unter 1.000 Bundesbürgern im Herbst 2025 ergab: Lediglich 18 Prozent planen als nächstes ein Elektrofahrzeug anzuschaffen. Im Vorjahr waren es noch 26 Prozent. Gleichzeitig stieg der Anteil derjenigen, die Verbrenner bevorzugen, von 40 auf 47 Prozent.
„Die neue Elektro-Kaufprämie wird mit Sicherheit für einen Schub beim E-Auto-Absatz sorgen, wenngleich nur Privatleute mit niedrigen bis mittleren Einkommen profitieren werden. Allerdings handelt es sich erneut um eine künstlich entfachte Nachfrage, die nicht nachhaltig ist. Auch Mitnahmeeffekte in größerem Umfang sind zu befürchten. Fest steht zudem: Ein Auslaufen der Subvention wird erneut zu einem Nachfrageeinbruch bei Privatleuten führen. Was erneut zeigen wird: Die E-Mobilität steht und fällt mit der Höhe der staatlichen Förderung", sagt Jan Sieper, Partner Automotive bei EY-Parthenon.
Die wegbrechenden Energiesteuereinnahmen bilden den größten Kostenblock. Bis 2030 summieren sich die Ausfälle auf 29,8 Milliarden Euro. Stromsteuereinnahmen aus dem Betrieb von Elektrofahrzeugen kompensieren davon lediglich 8,3 Milliarden Euro. Das Nettodefizit allein bei Umsatz-, Strom- und Energiesteuern: 21,5 Milliarden Euro. Zum Vergleich: 2024 nahm der Bund 35,1 Milliarden Euro aus Energiesteuern auf Benzin und Diesel ein. Das entsprach 3,7 Prozent der gesamten Steuereinnahmen.
Die vergünstigte Dienstwagenbesteuerung kostet den Fiskus weitere 10,8 Milliarden Euro bis 2030. Rein elektrische Firmenwagen werden bei privater Nutzung nur mit 0,25 Prozent des Bruttolistenpreises versteuert, Verbrenner hingegen mit 1 Prozent. Die Kfz-Steuerbefreiung schlägt mit zusätzlichen 3,9 Milliarden Euro zu Buche.
„Dienstwagen spielen eine große Rolle beim Hochlauf der Elektromobilität – denn ein erheblicher Teil der Elektro-Neuzulassungen entfällt auf Dienstwagenfahrer", erklärt Sieper. „Als junge Gebrauchte werden diese Elektroautos einige Jahre später von Privatleuten gekauft. Die steuerliche Förderung von Elektroautos als Dienstwagen macht also viel Sinn, da sie den Markthochlauf deutlich unterstützt."
Constantin M. Gall, Global Aerospace, Defence and Mobility Industry Practice Leader bei EY, ergänzt: „Auch industriepolitisch ist dies wichtig: Denn die Elektroautos der Mittel- und Oberklasse aus den Fabriken der deutschen Konzerne bewegen sich in einem Preissegment, das für die meisten Privatkäufer unerreichbar ist. Die stark vergünstigte Besteuerung elektrischer Dienstwagen sorgt dafür, dass auch teure Elektroautos ihre Abnehmer finden und nach einigen Jahren auch von Privatkäufern gefahren werden können."
„Die Mehrheit der Autokäufer ist nicht überzeugt von der Technologie – Reichweitenangst, lange Ladezeiten und hohe Kaufpreise sind die wichtigsten Argumente, die vom Erwerb eines Elektroautos abhalten. Zwar kommen jetzt immer mehr sehr leistungsstarke Elektroautos auf den Markt, die zumindest bei Reichweite und Ladezeit enorme Fortschritte machen. Aber in niedrigeren Preissegmenten bleiben Reichweite und Ladezeit ein wichtiges Thema", sagt Gall.




