Angreifer griffen zwei Wochen lang auf eine Ticketplattform der EY-Steuersparte zu und luden Mandantenunterlagen herunter. Entdeckt wurde das erst Wochen später.
Die zeitliche Abfolge ist der wunde Punkt. Zwischen dem 28. März und dem 12. April 2026 bewegte sich ein Unbefugter auf einer Plattform, die EY für das interne IT-Ticketwesen der Steuerpraxis nutzt, und lud Dokumente mehrerer Mandanten herunter. Auffällig wurde das erst am 23. April, also elf Tage nach dem letzten Zugriff. Danach schaltete das Haus sein Sicherheitsteam ein, holte externe Spezialisten hinzu und informierte die Bundesbehörden. Der Zugang ist nach eigenen Angaben inzwischen unterbunden, die betroffenen Systeme abgesichert.
Der Fall zeigt eine oft übersehene Schwachstelle. Die Plattform selbst verarbeitet keine Steuererklärungen, sondern unterstützt IT-Mitarbeiter bei ihrer Arbeit an Mandaten. Nur hängen an Supportanfragen regelmäßig Dokumente, und die enthalten in einer Steuerpraxis genau das, was man dort erwartet: persönliche Angaben sowie finanzielle Informationen, die in Steuererklärungen einfließen oder zu deren Erstellung dienen. Welche Datenfelder im Einzelfall betroffen sind, teilt EY jedem Empfänger individuell mit.
Die Benachrichtigungen vom 13. Juli lassen zentrale Fragen unbeantwortet. Weder benennt EY die Täter, noch erklärt das Haus, wie die fremde Plattform überhaupt kompromittiert wurde. Auch die Zahl der Betroffenen und der Name des Softwareanbieters bleiben ungenannt. Hinweise auf einen Missbrauch der Daten oder auf einen gezielten Angriff auf einzelne Personen gebe es bislang nicht, die Information erfolge aus Vorsicht. Den Betroffenen bietet EY 24 Monate Kreditüberwachung und Identitätswiederherstellung über Experian an, die Anmeldefrist läuft bis zum 31. Oktober 2026.




