NMC beendet EY-Klage überraschend

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February 2, 2026
02.02.2026
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Ein aufsehenerregender Prozess um fast zwei Milliarden Pfund Schadensersatz endet ohne Urteil, nachdem der insolvente Klinikkonzern seine Vorwürfe gegen den Wirtschaftsprüfer zurückzieht.

Stille nach dem Sturm

Monatelang füllte der Fall die Gerichtssäle am Londoner High Court. Nun herrscht Schweigen. NMC Health, einst stolzes Mitglied des FTSE 100, hat seine Klage gegen EY zurückgenommen. Eine Verfügung vom 29. Januar dokumentiert das Ende des Verfahrens. Weder Schadensersatz noch Kostenerstattung wurden angeordnet. 

Aufstieg und Absturz eines Gesundheitsimperiums

Die Geschichte von NMC Health liest sich wie ein Wirtschaftskrimi. Der Krankenhausbetreiber aus den Vereinigten Arabischen Emiraten ging 2012 in London an die Börse und schaffte fünf Jahre später den Sprung in den britischen Leitindex. Dann kam Dezember 2019. Der Shortseller Muddy Waters veröffentlichte einen vernichtenden Bericht über die Finanzlage des Unternehmens. Die Aktie verlor an einem Tag fast ein Drittel ihres Wertes. Wenige Monate später offenbarten sich versteckte Schulden von mehr als vier Milliarden Dollar. Der Konzern brach zusammen.

Schwere Vorwürfe gegen die Prüfer

Die Insolvenzverwalter von Alvarez & Marsal nahmen EY ins Visier. Zwischen 2012 und 2018 hatte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft die Bilanzen von NMC geprüft und jeweils uneingeschränkte Testate erteilt. Die Kläger warfen EY vor, einen großangelegten Betrug der Hauptaktionäre fahrlässig übersehen zu haben. Die geforderte Summe belief sich auf 1,94 Milliarden Pfund, hauptsächlich wegen nicht offengelegter Garantien, zuzüglich Zinsen.

Verteidigungslinie der Prüfer

EY wies die Verantwortung von sich. Im Prozess argumentierte die Gesellschaft, das Management von NMC selbst habe die Bücher manipuliert und den Betrug so geschickt verschleiert, dass er bei ordnungsgemäßer Prüfung nicht erkennbar gewesen sei. Wer am Ende recht gehabt hätte, bleibt nun offen. Das Gericht kam nicht mehr dazu, ein Urteil zu fällen.