Die Teuerung im Euroraum fällt zum Jahresstart auf 1,7 Prozent und rückt damit unter die Zielmarke der Europäischen Zentralbank. Für die nächste Zinssitzung spricht vieles für Stillhalten, auch weil der starke Euro neue Fragen aufwirft.
Nach einer ersten Schätzung von Eurostat legten die Preise für Waren und Dienstleistungen im Januar im Jahresvergleich um 1,7 Prozent zu. Im Dezember hatte die jährliche Inflationsrate nach oben revidiert noch bei 2,0 Prozent gelegen. Damit nährt sich die Entwicklung dem Niveau, das die EZB als optimal für die Wirtschaft im Währungsraum einstuft. Für Finanzverantwortliche und Berater ist die Zahl vor allem als Input für Zins, Währungs- und Planungsszenarien relevant.
Der Rückgang des Preisauftriebs dürfte die Debatte im EZB-Rat prägen, der am Donnerstag über den Leitzins berät. Die Zentralbank hatte den geldpolitischen Schlüsselsatz angesichts gesunkener Inflationsgefahr von Mitte 2024 bis Mitte 2025 in mehreren Schritten auf 2,0 Prozent halbiert und seither stillgehalten. Auf der Dezember Sitzung verwies EZB-Chefin Christine Lagarde auf das „volatile internationale Umfeld“, wodurch die Inflationsaussichten mit größerer Unsicherheit behaftet seien als gewöhnlich. Experten erwarten daher, dass die Währungshüter erneut die Pausentaste drücken.
Gleichzeitig rückt die Aufwertung des Euro in den Mittelpunkt, weil sie Exporte verteuert, Importe verbilligt und damit tendenziell Wachstum dämpft und die Inflation drückt. KfW Chefvolkswirt Dirk Schumacher sieht hinter der Bewegung weniger Konjunktur als Politik und sagt: „Die Stärke des Euro reflektiert dabei nicht etwa konjunkturelle Dynamiken, sondern ein steigendes Mistrauen gegenüber der amerikanischen Politik“. Wahrscheinlich wird die EZB ein gewisses Unbehagen über die Stärke des Euro signalisieren, ohne konkrete Maßnahmen anzukündigen. EZB-Ratsmitglied Francois Villeroy de Galhau betonte, die Notenbank beobachte die Aufwertung und die möglichen Folgen für die Inflation genau. Niedrigere Zinsen könnten den Euro Kurs wiederum schwächen, was der Rat in der Abwägung mitdenken muss.




