Eine Reihe von Reden und Gastartikeln des Thüringer Ministerpräsidenten Mario Voigt soll mit Hilfe künstlicher Intelligenz entstanden sein. Selbst Beiträge zum Holocaustgedenken sind betroffen.
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat einen Gastbeitrag des CDU-Politikers vollständig aus dem Netz und aus dem Archiv genommen. Der Grund: Die Erfurter Staatskanzlei konnte nicht glaubhaft versichern, dass das Schreiben ohne maschinelle Hilfe entstanden ist. Bei der FAZ gilt eine Hausregel, nach der KI-gestützte Inhalte nur in seltenen Ausnahmefällen erscheinen dürfen und klar markiert sein müssen.
Aufgedeckt wurden die Auffälligkeiten durch das Portal FragDenStaat. Die Redaktion ließ fünfzehn Texte des Politikers durch ein spezielles Erkennungswerkzeug namens Pangram laufen. Bei neun von elf untersuchten Reden lag der ermittelte KI-Anteil über der Hälfte, drei Vorträge gelten als vollständig maschinell formuliert. Bei den Gastartikeln erreichten drei von vier den Höchstwert von hundert Prozent.
Besonders heikel sind Auftritte mit historischem Bezug. Eine Rede zum Gedenken an die Opfer der Konzentrationslager ordnet das Werkzeug komplett einer maschinellen Quelle zu. Aus Voigts Mund klang das so: Auschwitz sei „nicht das Werk eines erfundenen Ungeheuers" gewesen, sondern von Menschen ausgegangen, die geglaubt hätten, im Einklang mit einer höheren Sache zu handeln.
In Erfurt verweist man auf eine interne Anweisung zur Nutzung künstlicher Intelligenz. Eine Pflicht zur Kennzeichnung sieht sie nicht vor. Voigt selbst geht offensiv mit dem Thema um und erklärte im Tagesspiegel, alle Beschäftigten der Verwaltung sollten moderne Werkzeuge nutzen.
Die Debatte erwischt den Ministerpräsidenten in einer schwierigen Phase. Er führt eine Koalition ohne eigene Mehrheit im Landtag. Zudem hat ihm die TU Chemnitz nach Plagiatsvorwürfen den Doktortitel entzogen. Voigt hat Widerspruch eingelegt.




