Fonoa kauft eine Plattform von PwC und bekommt zugleich 110 Millionen Dollar von Investoren. Damit rückt der Traum vom selbstständig arbeitenden Steuersystem ein Stück näher.
In den Steuerabteilungen großer Konzerne herrscht oft Chaos. Eine Software berechnet die Mehrwertsteuer, eine andere kümmert sich um elektronische Rechnungen, eine dritte erstellt am Ende des Monats die Meldungen. Damit alles zusammenpasst, jonglieren Mitarbeiter mit Tabellen. Bei Firmen wie Netflix oder Booking.com, die in Dutzenden Ländern Geschäfte machen, wird das schnell zum Albtraum.
Genau hier setzt Fonoa an. Das Unternehmen mit Sitz in Dublin will die Bruchstücke zu einem einzigen System verschmelzen, das von der Berechnung bis zur Erklärung alles aus einer Hand erledigt. Wer ein neues Land betritt, soll sich nicht erst eine eigene Softwarelandschaft zusammenbauen müssen.
Zwei Meldungen verkündete das Startup gleichzeitig. Bei einer Finanzierungsrunde flossen 110 Millionen Dollar ins Unternehmen. Federführend ist der Investor Headline, neu eingestiegen sind Eurazeo und Forestay Capital. Bestehende Geldgeber wie Index Ventures und Coatue legten nach.
Parallel sicherte sich Fonoa die Software Indirect Tax Edge vom Beratungshaus PwC. Diese deckt genau jenen Bereich ab, der dem Startup bislang fehlte: die nachgelagerte Berichterstattung und Einreichung von Steuerdaten. PwC trennt sich nicht vollständig von der Plattform, sondern wird sie weiterhin für Mandanten einsetzen, jetzt allerdings unter dem Dach von Fonoa.
Wie groß der Bedarf ist, zeigt die Bilanz des Unternehmens. Jährlich laufen über eine Milliarde Transaktionen durch die Systeme von Fonoa, abgewickelt werden Steuerregeln in mehr als 190 Ländern. Zu den Anwendern gehören Konzerne wie Uber, Canva und der Streamingriese aus Los Gatos.
Beobachter sehen den Markt vor einer Welle der Automatisierung. Clarey Zhu, Partnerin bei Headline, spricht von einem Sektor mit zweistelligen Milliardenumsätzen, der gerade neu sortiert werde. Auch bei PwC begrüßt man den Schritt. Peter Michalowski, weltweit zuständig für indirekte Steuern beim Beratungshaus, lobt, dass Fonoa schneller in die Entwicklung investieren könne als ein Großkonzern.




