Nicolas Sölter übernimmt ein politisches Spitzenamt in Hessen. Der 37-Jährige soll die Digitalisierung der Landesverwaltung voranbringen. Ein Karrieresprung, der in Deutschland Seltenheitswert hat.
Ein Anwalt verlässt die Großkanzlei und landet direkt in der Landesregierung. Nicolas Sölter, bislang Principal Associate bei Freshfields in Hamburg, wird Staatssekretär im hessischen Ministerium für Digitalisierung und Innovation. Boris Rhein, Ministerpräsident des Landes, hat die Ernennung auf den Weg gebracht. Normalerweise führt der Weg in solche Ämter über Parteigremien, Abgeordnetenmandate oder lange Laufbahnen in der Ministerialbürokratie. Sölter nimmt die Abkürzung.
In Wiesbaden übernimmt der Jurist ein dickes Aufgabenpaket. Er soll Behördenabläufe digitalisieren, Netzinfrastruktur ausbauen und Technologien wie maschinelles Lernen im Land verankern. Das Ressort leitet derzeit Ministerin Kristina Sinemus. Sölter tritt die Nachfolge von Stefan Sauer an. Der 60-Jährige geht in den einstweiligen Ruhestand, nachdem er das Ministerium 2024 als eigenständiges Ressort etabliert hatte.
Bei Freshfields hatte Sölter seit 2018 gearbeitet. Sein Schwerpunkt lag im öffentlichen Wirtschaftsrecht, daneben beriet er zu Verfassungsfragen und Ausschreibungsverfahren. Er begleitete internationale Technologiefirmen bei Gesetzgebungsprozessen und half der Hansestadt Hamburg beim Aufbau eines Netzes von Ladepunkten für Elektroautos. Zuletzt rückten Rüstungsthemen und Vergaberecht stärker in seinen Fokus. Als Anfang 2025 ein Kollege zu einer anderen Kanzlei abwanderte, übernahm Sölter dessen Zuständigkeiten am Hamburger Standort.
Freshfields muss den Abgang eines klassisch geschulten Öffentlichrechtlers verkraften. Die Praxis in diesem Feld bleibt allerdings gut besetzt. Vier Partner, ein Counsel und vier weitere Principal Associates kümmern sich weiterhin um Mandate im öffentlichen Recht. Für Sölter selbst markiert der Wechsel einen Bruch mit dem bisherigen Karrierepfad. Ob der Sprung von der Beratung in die Exekutive gelingt, wird sich zeigen. Mit 37 Jahren hat er Zeit, sich zu beweisen.




