Matt Lowrie war fast zwei Jahrzehnte Ingenieur bei Google. Den Druck, KI zu schnell in seinen Arbeitsalltag zu integrieren, empfand er als unvereinbar mit seiner Arbeitsweise und kündigte mit 55 Jahren vorzeitig.
Matt Lowrie kam 2006 als Testingenieur zu Google und arbeitete sich durch verschiedene Bereiche, darunter Online-Webanwendungen, Google Now und Cloud-Software. Bis 2024 verlagerte sich der Fokus des Unternehmens zunehmend auf die Integration von KI, auch beim Programmieren. Lowrie stand dieser Entwicklung skeptisch gegenüber: Er fragte sich, ob KI Arbeitsplätze überflüssig machen würde, und fand es schwierig, der Technologie bei der Arbeit zu vertrauen, für die er verantwortlich war. „Da ich schon so lange programmierte, erschien es mir weniger interessant, dafür KI zu nutzen – als würde ich jemand anderen bitten, den Code zu schreiben, und dann das reparieren, was nicht funktionierte.“, beschreibt er. Im November 2025 reichte er seine Kündigung ein und ging mit 55 Jahren vorzeitig in den Ruhestand.
Erst nach seinem Abgang und mit mehr Zeit für persönliche Projekte lernte Lowrie, KI sinnvoll einzusetzen. Er nutzte Gemini, um ein Tool zur WM-Spielplanung zu entwickeln, das Spiele nach Mannschaft und Stadt filtern konnte. „Das hätte mich Stunden gekostet, wenn ich es manuell gemacht hätte, was mir zeigte, dass KI ein gutes Produktivitätswerkzeug sein kann.“, sagt er. Gleichzeitig betont Lowrie, dass der Umgang mit KI neue Fähigkeiten erfordert: „Man muss LLMs oft mit einem ganzen Absatz Kontext vorgeben, aber ich war in Englisch oder den Geisteswissenschaften nie besonders gut, also musste ich diese Fähigkeiten neu entwickeln, selbst für ganz einfache Dinge.“ Sein Fazit fällt eindeutig aus: Derzeit vermisse er nichts von dem, was er als Google-Ingenieur gehabt hätte.




