Unicredit hat sich nicht zur Commerzbank-Hauptversammlung in Wiesbaden angemeldet. Der Großaktionär mit fast 39 Prozent der Stimmrechte wählt vorerst die passive Rolle.
Obwohl Unicredit sich direkt und über Derivate Zugriff auf 38,9 Prozent der Commerzbank-Stimmrechte gesichert hat und ein formelles Übernahmeangebot vorgelegt hat, wird das Institut an der Hauptversammlung am Mittwoch in Wiesbaden nicht teilnehmen. Das berichten zwei mit dem Vorgang vertraute Personen gegenüber Reuters. Eine Stellungnahme lehnte Unicredit ab. Marktbeobachter werten den Schritt als bewusste taktische Zurückhaltung, nicht als Desinteresse.
Vorstand und Aufsichtsrat der Commerzbank haben die Aktionäre in einer offiziellen Stellungnahme aufgefordert, das Unicredit-Angebot abzulehnen. Das Angebot enthalte keinen angemessenen Aufschlag auf den Aktienkurs und sei nicht von einem belastbaren strategischen Plan flankiert. Vorstandschefin Bettina Orlopp ist überzeugt, mit der eigenen Strategie mehr Wert schaffen zu können. Bei einer Fusion mit der Unicredit-Tochter HypoVereinsbank rechnet die Commerzbank mit dem Wegfall von 10.000 bis 11.000 Stellen. Unicredit selbst hatte 7.000 überzählige Arbeitsplätze in Deutschland genannt. Der Betriebsrat befürchtet sogar bis zu 23.000 Jobverluste und verweist auf den Umgang der Italiener mit der HVB nach deren Übernahme.




