Eine internationale Erhebung der Beratungsgesellschaft zeichnet ein zwiespältiges Bild. Während Mittelständler auf Technologie setzen, wächst gleichzeitig die Sorge, dass künftige Führungskräfte auf der Strecke bleiben könnten. Deutsche Unternehmen reagieren dabei besonders kritisch.
Hinter den Zahlen verbirgt sich eine simple Frage: Wo lernen junge Talente künftig das Führen, wenn Routinetätigkeiten der unteren und mittleren Ebene von Algorithmen abgewickelt werden? 62 Prozent der hiesigen Entscheider gehen davon aus, dass genau diese Lernstationen wegbrechen oder sich so stark verändern, dass die klassische Karriereleiter ihren Sinn verliert.
Beim Blick in andere Länder fällt auf, wie ausgeprägt die Skepsis hierzulande ist. Während weltweit jeder Mittelständler nach Wegen sucht, Technik und Talente in Einklang zu bringen, gehen deutsche Häuser besonders zurückhaltend an die Sache heran. Knapp die Hälfte der Befragten hält es für möglich, dass eine zu starke Konzentration auf KI bis 2035 das Wachstum bremsen könnte.
Ralf Gröning, Mitautor der Studie und Managing Partner bei Baker Tilly, formuliert die Stimmung deutlich: „Führungskräfte des deutschen Mittelstands blicken deutlich kritischer als ihre internationalen Konkurrenten auf die kommende Dekade."
Sechs von zehn Befragten in Deutschland sehen den Wettbewerb um hochqualifiziertes Personal als die zentrale Hürde der kommenden Jahre. Vier von zehn räumen ein, dass ihr eigenes Haus dem Tempo der technischen Umwälzungen kaum gewachsen ist.
Wenn KI die Arbeitswelt umformt, verändert sich auch das Anforderungsprofil derer, die sie führen. 73 Prozent der heimischen Manager rechnen damit, dass das Verständnis von Führung selbst bis 2035 neu geschrieben wird. Gefragt sind nach Einschätzung der Befragten vor allem Problemlösungskompetenz und Kommunikationsstärke, jeweils 81 Prozent, gefolgt vom souveränen Umgang mit Unsicherheit, strategischem Denken und Agilität.
Bei aller Sorge bleibt der grundsätzliche Optimismus erhalten. 59 Prozent der deutschen Teilnehmer trauen dem Mittelstand zu, große Konzerne bis 2035 bei der Innovationskraft zu übertreffen. Bemerkenswert ist allerdings ein Widerspruch: Während die Sorge um die Führungslücke groß ist, sieht nur ein Drittel der hiesigen Entscheider in der Leadership-Entwicklung tatsächlich eine Priorität. Bei der Investitionsbereitschaft in „People and Leadership" liegt Deutschland mit 65 Prozent auf dem letzten Platz unter den untersuchten Ländern.




