Corporate-Venture-Capital-Einheiten haben ein Überlebensproblem: Viele scheitern in den ersten drei Jahren, weil das Mutterunternehmen die Strategie ändert, ein neues Management andere Schwerpunkte setzt oder schlicht das Geld knapp wird. Marcus Behrendt, Managing Partner von BMW i Ventures, erklärt wie sein Team es anders macht. BMW i Ventures hat gerade 300 Millionen Dollar für seinen dritten Fonds eingesammelt.
Behrendt siebt prominente Gegenbeispiele als Warnung: Munich Re und SAP stellten ihre CVC-Programme zuletzt ein. Für Behrendt ist das ein Fehler. Konzerne könnten im Gegensatz zu früher nicht mehr jede Technologie selbst erforschen. Wer sich von externen Innovationsquellen abschotte, halte die Geschwindigkeit der Konkurrenz nicht mehr aus. Auf einer Skala von 1 bis 10 bewertet er die deutsche Corporate-Venture-Szene aktuell mit einer soliden 4 und sieht erhebliches Aufholpotenzial.
Der Schlüssel liegt laut Behrendt darin, wie ein Finanzinvestor zu agieren und nicht als verlängerte Werkbank einer Fachabteilung zu fungieren. BMW i Ventures investiert ausschließlich in finanziell valide, skalierbare Ideen und geht bei Finanzierungsrunden auch in den Lead, strukturiert also aktiv Deals mit. Entscheidend seien die ersten fünf bis acht Jahre, in denen der Fonds nachweislich Renditen erwirtschaften muss.
Das grundlegende strukturelle Problem für Corporate Venture ist ein Zeithorizont-Mismatch: CVC operiert in Innovationszyklen von sieben bis zwölf Jahren, während Konzernführungen typischerweise in Strategiezyklen von drei bis fünf Jahren denken. Wer sich einmal festgelegt+ habe, müsse es auch durchziehen, betont Behrendt. Zugleich sieht er die bevorstehenden Börsengänge von OpenAI und Anthropic als positives Signal für den gesamten Wagniskapitalmarkt: Wenn investierte VC-Gesellschaften aussteigen können, fließt Kapital zurück in den Markt.




