Viele Firmen verteilen Softwarelizenzen, ohne ihre Arbeitsweise zu hinterfragen. Der neue KI-Forschungschef von KPMG Kanada fordert mehr Substanz und weniger Aktionismus.
Andrew Forde erlebt es immer wieder. Er sitzt in Strategierunden großer Konzerne und hört, wie KI-Pläne geschmiedet werden. Sein Eindruck: Oft drehen sich die Gespräche um das Falsche. Firmen kaufen Lizenzen für neue Tools, ohne zu überlegen, was sich an der Arbeit selbst ändern müsste.
KPMG Kanada hat Forde Ende März zum Leiter der KI-Forschung ernannt. Die Kanzlei verspricht sich davon einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz: Beratung, die auf Fakten statt auf Schlagworten beruht.
Der promovierte Ingenieur, der auch an der Universität Toronto unterrichtet, beobachtet ein Muster. Viele Unternehmen behandelten KI wie jedes andere IT-Projekt. Sie zählen, wie oft sich Mitarbeiter einloggen, statt über neue Geschäftsideen nachzudenken. Das greife zu kurz, sagt Forde. Wenn Leute schneller arbeiten, entstehe meist einfach noch mehr zu tun. Die eigentliche Frage laute, wie Technik das Arbeiten angenehmer und kreativer machen könne.
Die Beratungsbranche hat zuletzt vorgeführt, was passiert, wenn Sorgfalt fehlt. EY zog einen Bericht zurück, der erfundene Quellen enthielt. Deloitte musste sich für ein Gutachten mit falschen Belegen rechtfertigen. KPMG Australien steckte in einem internen Skandal um geschönte KI-Ergebnisse.
Forde verweist auf seine Zeit bei der NASA, wo Ingenieure jede Annahme hinterfragen müssen. Eine Mars-Sonde ging einst verloren, weil jemand Maßeinheiten verwechselt hatte. Ähnliche Fallstricke lauerten auch in KI-Systemen, nur seien sie weniger offensichtlich.




