Nach der Leak-Affäre um KPMG verschärft die australische Wertpapieraufsicht ASIC ihre Kontrolle über einzelne Abschlussprüfer und stellt disziplinarische wie gerichtliche Konsequenzen bei Fehlverhalten in Aussicht.
Die Australian Securities and Investments Commission hat sich per Brief direkt an rund 2.900 registrierte Prüfer gewandt. Darin kündigt Kommissarin Kate O'Rourke an, die Behörde werde künftig deutlich häufiger gerichtliche und berufsrechtliche Schritte einleiten, wenn Prüfer gegen Gesetz oder Berufsstandards verstoßen. Anlass sind Zweifel an der Unabhängigkeit einzelner Berufsträger, ausgelöst durch den KPMG-Datenleck-Skandal.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt künftig auf Interessenkollisionen zwischen Prüfern und geprüften Mandaten. Insbesondere persönliche Beziehungen, die die Unabhängigkeit in Frage stellen könnten, sollen strenger untersucht werden. ASIC greift damit einen Punkt auf, der auch im internationalen Berufsstandard regelmäßig kritisch bewertet wird.
Bemerkenswert bleibt die strukturelle Einschränkung des ASIC-Mandats: Die Behörde darf lediglich die einzelnen registrierten Prüfer beaufsichtigen, nicht aber die Prüfungsgesellschaften selbst, da diese in Australien als Personengesellschaften geführt werden. Die Aufsicht der Firmen als solche bleibt damit trotz der angekündigten Verschärfung außerhalb der ASIC-Zuständigkeit, was den Handlungsspielraum bei institutionellen Fehlern spürbar begrenzt.




