Laut KPMG scheitert generative KI in der Verrechnungspreispraxis selten am Modell, sondern an fehlendem Kontext, undokumentiertem Erfahrungswissen und unklaren Zuständigkeiten.
In vielen TP-Abteilungen gehören Copilot, ChatGPT, Gemini oder Claude längst zum Alltag, etwa bei der Aufbereitung von Informationen, der Vorbereitung auf Betriebsprüfungen oder der Strukturierung von Local Files. Aus Gesprächen mit Unternehmen berichtet KPMG jedoch von einem wiederkehrenden Muster: Ein Tool liefert bei einer Aufgabe überzeugende Ergebnisse und versagt kurz darauf bei einer scheinbar vergleichbaren. Forscher der Harvard Business School und des Digital Data Design Institute sprechen hier von einer „Jagged Frontier“, einer zerklüfteten Leistungsgrenze. Gerade im Transfer Pricing liegen standardisierbare Dokumentationsschritte und anspruchsvolle Bewertungsfragen dicht beieinander. Zu unterscheiden, wo KI trägt und wo fachliches Urteil gefragt ist, lässt sich nach Einschätzung von KPMG nicht an die Technik delegieren, sondern ist originäre Führungsaufgabe.
Präzisere Anweisungen verbessern zwar das Ergebnis, verschieben aber nicht die Grenzen des Modells. Entscheidend ist, ob die KI überhaupt Zugriff auf die relevanten Grundlagen hat, also auf die konzerneigene TP-Policy, Local-File-Vorlagen, länderspezifische Dokumentationspflichten, bewährte Formulierungen und Vorgaben zur Methodenwahl. Dieses Context Engineering stößt jedoch an eine weitere Hürde: Viel Wissen existiert nur in den Köpfen erfahrener Fachleute, etwa welche Methode in einem Land regelmäßig akzeptiert wird oder welche Argumentation sich in Prüfungen bewährt hat. Erst wenn solche Erkenntnisse systematisch festgehalten werden, kann KI sie nutzen, und auch Einarbeitung und Vertretungen profitieren davon.
Erfolgreiche Teams zerlegen ihre Prozesse in Einzelschritte, statt ganze Abläufe an die KI abzugeben. Sie legen fest, ob das System recherchiert, als Sparringspartner dient oder einen ersten Entwurf erstellt. Jedes Ergebnis gilt als prüfpflichtiger Arbeitsstand, denn sprachlich überzeugende Antworten wirken oft plausibler, als sie sind. KPMG empfiehlt einen überschaubaren Einstieg, etwa mit dem nächsten Local-File-Zyklus, und eine regelmäßige Neubewertung, da sich die Modelle rasant weiterentwickeln.




