Mit einem neuen Preismodell verwandelt Microsoft seinen KI-Assistenten Copilot von einer festen Lizenzposition in eine Kostenstelle, die mit jeder Aufgabe eines Agenten wächst.
Ein Agent recherchiert, zieht Dokumente heran, ruft mehrere Werkzeuge auf und arbeitet eine Stunde lang an einem mehrstufigen Auftrag. Genau solche Szenarien rechnet Microsoft künftig einzeln ab, und zwar in Copilot Credits. Wie viele davon anfallen, bestimmt sich unter anderem danach, welches Modell im Einsatz ist, wie viel Kontext der Agent verarbeitet, wie lange er beschäftigt ist und welche Tools er nutzt. Betroffen sind die leistungsstarken Funktionen, die Microsoft unter dem Begriff Advanced AI zusammenfasst: Autopilot, Code und Cowork, neue Agentenfähigkeiten in SharePoint sowie der Zugriff auf die Frontier-Modelle Fable und Astra. Neu ist das Prinzip nicht ganz, einzelne Dienste wie Cowork wurden schon bisher nach Nutzung berechnet.
Die klassische Monatslizenz je Mitarbeiter bleibt bestehen, beschränkt sich aber auf die sogenannte Everyday AI. Gemeint ist die KI-Unterstützung in den vertrauten Office-Programmen von Outlook und Teams bis Excel, PowerPoint und Word, dazu der Copilot Chat. Welches Sprachmodell dabei antwortet, entscheidet entweder der Nutzer oder eine Automatik, die zwischen Qualität, Geschwindigkeit und Preis abwägt. Alles, was darüber hinausgeht, kostet extra.
Freigeschaltet werden die verbrauchsabhängigen Funktionen nur per ausdrücklicher Abrechnungsrichtlinie. Anschließend können IT-Verantwortliche Obergrenzen für einzelne Personen oder das ganze Unternehmen festlegen, Alarme einrichten und die Ausgaben laufend verfolgen, unterstützt durch neue FinOps-Tools. Nötig sein dürfte das: Laut Analyst Simon Baxter von TechMarketView verlangen autonome Agenten, die ohne anwesenden Nutzer weiterarbeiten, ein völlig neues Kostenbewusstsein. Besonders schwierig wird die Planung für Organisationen, die nach Kopfzahl budgetieren, wie der NHS England mit rund 505.000 lizenzierten Beschäftigten. Parallel prüft die britische Wettbewerbsaufsicht CMA seit Juli, ob Microsoft seine Kunden beim Einbau von Copilot in Microsoft 365 und den damit verbundenen Tariferhöhungen ausreichend aufgeklärt hat.




