Das Prüfungs- und Beratungshaus stattet seine gesamte Belegschaft mit dem ChatGPT-Konkurrenten aus. Außerdem entwickeln beide Partner gemeinsam Produkte für Private-Equity-Firmen.
KPMG öffnet die Türen für künstliche Intelligenz im großen Stil. Der Konzern hat eine globale Partnerschaft mit Anthropic geschlossen und wird dessen Sprachmodell Claude in die eigenen Systeme einbauen. Mehr als 276.000 Mitarbeiter in 138 Ländern sollen das Werkzeug nutzen können. Die Technologie wandert ins Digital Gateway, eine Plattform, über die KPMG-Berater Steuer- und Rechtsmandate abwickeln. Claude Cowork und sogenannte Managed Agents werden dort direkt eingebettet.
Rema Serafi, Steuerchefin bei KPMG in den USA, schildert den Unterschied. Früher habe es Wochen gedauert, einen digitalen Helfer zu bauen, der Mandanten bei neuen Steuerregeln unterstützt. Teams mussten zwischen verschiedenen Programmen und Chatfenstern hin- und herspringen. Mit der neuen Integration schrumpfe dieser Aufwand auf wenige Minuten.
Die Kooperation geht über den internen Einsatz hinaus. Anthropic hat KPMG zum bevorzugten Partner im Bereich Private Equity ernannt. Gemeinsam wollen beide Seiten Produkte entwickeln, die speziell auf Portfoliofirmen von Finanzinvestoren zugeschnitten sind. KPMG soll künftig als erste Adresse fungieren, wenn Beteiligungsgesellschaften Claude bei ihren Unternehmen einführen wollen. Ein neues Angebot namens KPMG Blaze soll dabei helfen, veraltete IT-Systeme zu modernisieren.
Bill Thomas, weltweiter Chef von KPMG, betonte bei der Ankündigung das Thema Verantwortung. Die Partnerschaft spiegle ein gemeinsames Engagement für vertrauenswürdige künstliche Intelligenz wider. Sicherheit und klare Spielregeln stünden im Vordergrund. Teams beider Häuser sollen Claude nutzen, um Schwachstellen in kritischen Systemen aufzuspüren und zu schließen. Grundlage dafür ist ein Rahmenwerk, das KPMG unter dem Namen Trusted AI entwickelt hat.
Ganz neu ist Claude bei KPMG nicht. In den USA arbeiten Berater bereits seit zwei Jahren mit dem System, unter anderem in den hauseigenen Laboren für künstliche Intelligenz und Datenanalyse. Die globale Ausweitung hebt den Einsatz nun auf eine andere Ebene.




