Der Fall weitet sich über KPMG hinaus aus: Die australische Wertpapieraufsicht ASIC nimmt jetzt auch Deloitte, EY und PwC unter die Lupe. Gleichzeitig überprüfen erste Großmandanten aktiv ihre Prüfungsverträge mit KPMG, während sich die Kanzlei am 14. August erneut vor dem Parlament erklären muss.
ASIC-Chefin Sarah Court hat angekündigt, die Überwachung auf sämtliche Big-Four-Häuser auszudehnen. Im Fokus stehen interne Beschwerden und Whistleblower-Meldungen zu Missbrauch oder Weitergabe vertraulicher Mandanteninformationen. Auslöser sind neben KPMG auch zwei Entlassungen bei EY, nachdem persönliche Bankinformationen des australischen Premierministers unrechtmäßig eingesehen worden sein sollen. Parallel prüft das Treasury eine strukturelle Trennung von Prüfungs- und Beratungssparten.
Konkret betroffen sind zwei Großmandate. Macquarie überprüft laut Chairman Glenn Stevens, ob KPMG das ab dem Geschäftsjahr 2028 vergebene Mandat überhaupt liefern kann, unter Aktionärskritik am Vergabeprozess und an der Rolle der ehemaligen KPMG-Managerin und heutigen Macquarie-Direktorin Michelle Hinchliffe. Westpac stellt seinen jährlich rund 32 Millionen AUD schweren Prüfungsvertrag mit KPMG auf den Prüfstand. Der zuständige Auditausschuss-Chef Peter Nash, bis 2017 KPMG-Chairman in Australien, zog sich Anfang Juli wegen Interessenkonflikten aus dem Westpac-Board zurück.
Auch der Vorsitzende des Tax Practitioners Board, Peter de Cure, ein Ex-KPMG-Partner, nimmt sich formell aus der Untersuchung heraus. In der ursprünglichen Whistleblower-Anzeige waren neben Lendlease die Audit-Ausschreibungen für Westpac und Dexus konkret benannt. Am 14. August wird KPMG erneut vor dem parlamentarischen Ausschuss aussagen.




