Nach den Rücktritten des Vorstandsvorsitzenden und des Prüfungsleiters legt nun auch die operative Geschäftsführerin der australischen Tochter ihren Posten nieder. Der Druck auf das Beratungshaus wächst.
Eileen Hoggett zieht sich vorerst aus der Führungsebene zurück. Die Managerin, seit über drei Jahrzehnten bei KPMG tätig, wechselt zurück in eine reguläre Prüfertätigkeit, solange die Ermittlungen laufen. Ihre Aufgaben übernimmt vorübergehend Finanzchef John Sams. Vor ihr hatten bereits Konzernchef Andrew Yates und Prüfungsleiter Julian McPherson ihre Posten geräumt.
Im Mai 2024 hatte ein Hinweisgeber dem Haus Vorwürfe gemeldet, die intern abgewiesen wurden. Erst als die Labor-Senatorin Deborah O'Neill die Anschuldigungen unter parlamentarischem Schutz öffentlich machte, geriet KPMG in Bedrängnis. Im Kern geht es um den Verdacht, dass Prüfer vertrauliche Unterlagen ihrer Mandanten missbraucht haben, um andere Aufträge zu gewinnen. Konkret sollen Partner Dokumente aus dem Aufsichtsrat des Bauunternehmens Lendlease genutzt haben, um sich für die Prüfung der Westpac-Bank und des Immobilienkonzerns Dexus zu bewerben. Lendlease hat die Vorgänge bestätigt und schreibt das Prüfmandat neu aus.
An die Spitze rückt vorübergehend Stan Stavros. In einer internen Mitteilung räumte er ein, das Unternehmen hätte mit der Sache anders umgehen müssen. Man werde mit Aufsichtsbehörden und Berufsorganisationen kooperieren.
Der parlamentarische Ausschuss unter Senatorin O'Neill hatte vor wenigen Jahren bereits den Fall PwC ans Licht gebracht. Damals war herausgekommen, dass die Beratungsgesellschaft vertrauliche Regierungsdokumente an internationale Mandanten weitergegeben hatte. Die Folge waren ein faktischer Ausschluss von Bundesaufträgen. Genau dieses Schicksal will KPMG vermeiden.




