KPMG-Studie: Japan wird zum Zufluchtsort für deutsche Konzerne

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May 4, 2026
04.05.2026
3 Minuten Lesezeit

Inmitten globaler Turbulenzen blüht das Geschäft deutscher Firmen im ostasiatischen Inselstaat. Die Gewinne klettern, die Investitionen ziehen an, doch der Iran-Konflikt wirft Schatten.

Gewinne auf Rekordniveau

Wenn ringsum die Welt brennt, suchen Unternehmen Schutz. Für viele deutsche Firmen heißt dieser Schutzraum Japan. Die elfte Geschäftsklimaumfrage der Deutschen Auslandshandelskammer in Tokio, erstellt gemeinsam mit KPMG, zeichnet ein erstaunlich positives Bild. Neun von zehn befragten Unternehmen erwirtschafteten im vergangenen Jahr Gewinne. Ein Jahr zuvor lag die Quote noch bei 82 Prozent. Der Blick nach vorn fällt ebenso optimistisch aus: Mehr als zwei Drittel erwarten für 2026 wachsende Umsätze, für das Folgejahr sogar fast drei Viertel. Auch bei den Investitionen tut sich etwas. Zwar planen etwas weniger Firmen kleinere Summen bis fünf Millionen Euro, dafür wollen deutlich mehr Unternehmen mittlere zweistellige Millionenbeträge in die Hand nehmen. Andreas Glunz, Bereichsvorstand International Business bei KPMG Deutschland, erklärt die Attraktivität: „In Zeiten internationaler Konflikte und wachsender Handelsstreitigkeiten gewinnen robuste Märkte an Bedeutung. Japan überzeugt deutsche Unternehmen mit wirtschaftlicher Stabilität, verlässlichen Geschäftsbeziehungen und gut ausgebildeten Fachkräften."

Lektionen aus Tokio

Deutsche Manager schauen nicht nur auf Verkaufszahlen, sondern studieren auch japanische Rezepte. Knapp sechs von zehn Befragten betrachten die konsequente Streuung von Lieferketten als wichtigste Erkenntnis aus Japans Wirtschaftspolitik. Vier von zehn wollen vom Umgang mit Naturkatastrophen und Krisenmanagement lernen. Ebenso viele interessiert, wie das Land Recyclingkapazitäten für kritische Rohstoffe aufbaut. Marcus Schürmann, Geschäftsführer der AHK Japan, fasst zusammen: „Japan macht deutlich: Wirtschaftliche Stabilität und Sicherheit entstehen nicht über Nacht. Wer Lieferketten diversifiziert, Risiken aktiv managt und strategisch in Rohstoffe investiert, stärkt dauerhaft seine wirtschaftliche Resilienz."

Trendradar im Fernen Osten

Für die große Mehrheit bleibt das Absatzpotenzial der Hauptgrund für die Präsenz. Doch Japan gewinnt auch als Innovationsstandort an Gewicht. Zwei Drittel der Befragten trauen dem Land eine führende Rolle bei Zukunftstechnologien und Nachhaltigkeit zu. Viele nutzen den Markt als Frühwarnsystem: Fast zwei Drittel betreiben systematisches Trendscouting, ähnlich viele beobachten japanische Wettbewerber, um technologische Entwicklungen rechtzeitig zu erkennen. Glunz ordnet ein: „Der japanische Markt ist ein Frühindikator für zukunftsweisende technologische Entwicklungen. Trends, die sich hier durchsetzen, prägen häufig auch internationale Industrien und setzen sich am Weltmarkt durch."

Konflikt am Golf hinterlässt Spuren

Die Sonnenseite hat Schatten. Eine Nachbefragung im Frühjahr offenbart die Folgen des Iran-Kriegs: Sieben von zehn Unternehmen kämpfen mit explodierenden Energiekosten, sechs von zehn mit gestörten Transportwegen. Knapp vier von zehn verbuchen bereits schrumpfende Margen, weil sie die Mehrkosten nicht weitergeben können. Daneben drücken Dauerbrenner wie der Fachkräftemangel und die Schwäche des Yen auf die Stimmung.

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