McKinsey sieht KI-Revolution bei Versicherern

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July 29, 2026
30.07.2026
3 Minuten Lesezeit

Laut einer McKinsey-Studie dürfte künstliche Intelligenz die Versicherungsbranche in den kommenden zehn Jahren tiefgreifender verändern als jede frühere Technologiewelle. Betroffen sind nicht nur Prozesse, sondern auch Geschäftsmodelle, Vertrieb und Wettbewerb.

Strukturelle Schwächen der Branche im Fokus

Mit einem weltweiten Prämienvolumen von geschätzt 8,3 Billionen Dollar im Jahr 2025 zählt die Versicherungsbranche zwar zu den größten Finanzindustrien, allerdings konnte die Profitabilität in den vergangenen zwanzig Jahren mit dem Prämienwachstum nicht Schritt halten. Nach Ansicht von McKinsey könnte künstliche Intelligenz genau jene strukturellen Schwächen beseitigen, die den Sektor seit Jahren belasten: geringe Produktivität, hohe Vertriebskosten, langsame Innovationszyklen und eine schwindende Relevanz für neue Risiken. Im vergangenen Jahrzehnt wuchsen die Umsätze der Branche langsamer als in den meisten großen Branchen und sogar langsamer als das globale Bruttoinlandsprodukt, allein die globale Schutzlücke für Naturkatastrophen erreichte 2025 133 Milliarden Dollar. Zudem sind weniger als 1 Prozent der globalen Cyberkosten derzeit versichert, eine Lücke von etwa 900 Milliarden Dollar. Provisionen und Akquisitionskosten beanspruchen zudem zwischen 10 und 25 Cent jedes Prämiendollars. Die Kostenstruktur hat sich trotz wiederholter Wellen digitaler Investitionen kaum verändert, auch die Kostenquoten stagnieren seit zwei Jahrzehnten weitgehend. Besonders großes Potenzial sieht die Beratung bei der Erschließung bislang unzureichend versicherter Risiken wie Cyberangriffen, Klimarisiken sowie Schäden im Zusammenhang mit KI. Dank besserer Datenanalysen und präziserer Risikomodelle könnten Versicherer diese Risiken künftig genauer kalkulieren und profitabler versichern.

KI-Assistenten verändern den Vertrieb

Noch weitreichender könnten die Folgen im Vertrieb sein. McKinsey erwartet, dass KI-Assistenten künftig immer häufiger Policen vergleichen, Angebote bewerten und Wechsel empfehlen. Damit verlagert sich der erste Kundenkontakt vom Versicherungsberater oder Makler zu digitalen Plattformen und persönlichen KI-Assistenten. Wer dort nicht sichtbar ist, könnte künftig den Zugang zum Kunden verlieren. Vor allem im standardisierten Privatkundengeschäft dürfte dieser Wandel rasch erfolgen. In komplexeren Bereichen wie Firmenversicherungen bleibt persönliche Beratung zwar wichtig, doch auch dort rechnet McKinsey mit sinkenden Vertriebskosten und höheren Produktivitätsgewinnen durch KI. Langfristig sieht die Beratung zwei erfolgversprechende Strategien: Entweder Versicherer erreichen genügend Größe, um hohe Investitionen in Daten und KI-Infrastruktur zu amortisieren, oder sie spezialisieren sich auf klar definierte Nischen mit hoher Expertise. Dazwischen werde es für viele mittelgroße Anbieter zunehmend schwierig. McKinsey empfiehlt Unternehmensleitungen drei Sofortmaßnahmen: eine klare KI-Strategie mit Verantwortung auf höchster Ebene, die gleichzeitige Neuausrichtung von Technologie, Daten, Organisation und Fachwissen sowie einen beschleunigten kulturellen Wandel im Unternehmen.

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