Die Welthandelsorganisation warnt in ihrem neuen Jahresbericht vor drastischen Folgen einer weiteren Fragmentierung des Welthandels. Im schlimmsten Fall könnte die Weltwirtschaft bis 2050 um 6,9 Prozent schrumpfen.
Die WTO hat für ihren Jahresbericht drei Szenarien bis zum Jahr 2050 berechnet. Im günstigsten Fall sinken die Zölle, gepaart mit mehr Rechtssicherheit könnten die weltweiten Exporte dann um 17,9 Prozent zulegen und das globale BIP um 2,9 Prozent wachsen. Im mittleren Szenario, einer Aufteilung der Welt in westliche und östliche Blöcke sowie blockfreie Staaten, sinkt das globale BIP um 5,1 Prozent, während die Exporte um 18,6 Prozent zurückgehen. Im ungünstigsten Fall, einer „Welt der Freihandelsabkommen" mit bilateralen Deals außerhalb des WTO-Systems, drohen sogar ein Exporteinbruch von 26,9 Prozent und ein BIP-Rückgang von 6,9 Prozent.
Als Negativbeispiel nennt die WTO das Zollabkommen zwischen US-Präsident Trump und EU-Kommissionschefin von der Leyen, das per Handschlag auf einem Golfplatz in Schottland zustande kam, ohne dass die WTO einbezogen wurde oder offizielle Dokumente vorlagen. Solche Abkommen laufen nach WTO-Einschätzung zentralen Prinzipien der Organisation zuwider, etwa der Gleichbehandlung aller Mitgliedsstaaten und den etablierten Verfahren zur Streitbeilegung. Ärmeren Volkswirtschaften drohen in einem von Regionalabkommen geprägten Handelssystem laut WTO sogar Verluste von bis zu 16,5 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung. „Die globale Wirtschaft befindet sich an einem Scheideweg", sagte WTO-Chefökonom Robert Staiger. Zwar wickelt sich laut Staiger derzeit noch rund 72 Prozent des globalen Handels nach den Regeln der WTO ab, das System gerate aber zunehmend unter Druck.




