Grant Thornton UK verteidigt Private-Equity-Einstieg als Qualitätstreiber

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September 21, 2026
22.09.2026
2 Minuten Lesezeit

Der britische Prüferverbund kontert Zweifel an seiner Unabhängigkeit unter Cinven-Eigentümerschaft mit einem ungewöhnlichen Argument: Gerade der geplante Weiterverkauf schaffe einen starken Anreiz, die Prüfungsqualität zu sichern.

Warum ein späterer Verkauf die Qualität schützen soll

Private-Equity-Eigentum entwickelt sich für die britische Prüfungsbranche zunehmend zur Grundsatzfrage, in der frisches Kapital gegen Bedenken zur Unabhängigkeit der Prüfer abgewogen wird. 2024 übernahm der Finanzinvestor Cinven eine Mehrheit von 60 Prozent an Grant Thornton UK und bewertete das Haus mit rund 1,5 Milliarden Pfund, das größte Private-Equity-Engagement in einer britischen Prüfungsgesellschaft überhaupt. Seither steht der Verbund unter verschärfter Beobachtung. CEO Malcolm Gomersall dreht die gängige Kritik laut Financial Times um: Nicht der Renditedruck untergrabe die Standards, sondern die Aussicht auf einen künftigen Verkauf zwinge zu deren Einhaltung, denn ein Prüfer mit schwacher Qualität wäre für Käufer wenig wert. Konkret will Grant Thornton keine Unternehmen prüfen, an denen Cinven beteiligt ist, und sich aus Grauzonen der Unabhängigkeit heraushalten. In einem Fall fragte die Firma sogar beim Financial Reporting Council nach und lehnte das Mandat ab, weil die Rechtslage unklar blieb.

Ein Test mit Signalwirkung für den britischen Markt

Der Fall gilt als früher Großtest im Vereinigten Königreich, ob Beteiligungskapital das Wachstum einer bedeutenden Prüfungsgesellschaft beschleunigen kann, ohne ihre Unabhängigkeit zu beschädigen. Die Sensibilität ist hoch, auch wegen der eigenen Geschichte: Grant Thornton hatte sich jahrelang von prominenten britischen Prüfungsskandalen erholen müssen, etwa im Fall der Café-Kette Patisserie Valerie, und musste millionenschwere Strafen des FRC hinnehmen. Zugleich hat der Cinven-Deal eine ganze Welle weiterer Übernahmen auf der Insel angestoßen. Wie stark die Bewegung global an Fahrt gewinnt, zeigt ein Bericht der International Federation of Accountants: Weltweit erhielten im vergangenen Jahrzehnt über 1.000 Kanzleien Private-Equity-Kapital, besonders dynamisch seit 2022.

Wachstumsziele und ein bewusstes Ja zum Nachwuchs

Die Krisenjahre sieht Gomersall überwunden und richtet den Blick nun auf das obere Marktsegment mit den großen Mandaten. Bis Ende 2025 peilt er für Grant Thornton UK einen Jahresumsatz von einer Milliarde Pfund an, nachdem dieser per Juni bereits über 800 Millionen Pfund lag. Auch sein Ziel von 160 neuen Partnern bis 2027 will er übertreffen. Bemerkenswert ist seine Personalstrategie: Statt Einstiegsstellen wegen KI abzubauen, stellt das Haus mehr Absolventen ein, obwohl sich manche Mandanten dem KI-Einsatz in Prüfung und Beratung weiterhin verschließen.

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