Der Streit um die US-Immobilien der Bayerischen Versorgungskammer eskaliert: Der langjährige Partner Deutsche Finance zieht vor Gericht und erhebt schwere Vorwürfe.
Die Bayerische Versorgungskammer ist die größte öffentlich-rechtliche Versorgungsgruppe Deutschlands. Rund 2,8 Millionen Menschen aus zwölf berufsständischen und kommunalen Einrichtungen vertrauen ihr ihre Altersvorsorge an, mehr als 100 Milliarden Euro verwaltet die Münchner Behörde. Seit 2023 steht der Jurist Axel Uttenreuther an der Spitze, für die Kapitalanlagen ist Vorstand André Heimrich seit 2013 zuständig. Ihr Klientel sind Ärzte, Apotheker, Rechtsanwälte, Steuerberater und Architekten, für viele ersetzt das Versorgungswerk die gesetzliche Rente. Genau diese Institution steht nun im Zentrum eines Skandals, der weit über die Kapitalanlage hinausreicht.
Rund 1,6 Milliarden Euro flossen nach BVK-Angaben in US-Projekte mit der Deutschen Finance und dem Entwickler Michael Shvo. Zum Portfolio zählten Prestigeimmobilien in Miami, Los Angeles und New York sowie die Transamerica Pyramid in San Francisco, die die Partner 2020 für 650 Millionen Dollar erwarben. Ende 2025 bezifferte die BVK das mögliche Verlustpotenzial auf 853 Millionen Euro, rund 392 Millionen Euro waren zu diesem Zeitpunkt bereits abgeschrieben. Der Verkauf der Transamerica Pyramid im Februar 2026 schlägt sich erst in den Zahlen des laufenden Jahres nieder. Nach Medienberichten sind zudem fast 700 Millionen Dollar eingefroren, mehrere Prüfer haben ihre Mandate niedergelegt. Die BVK verweist darauf, dass selbst das gesamte Verlustpotenzial nur rund 0,7 Prozent ihres Anlagevolumens ausmache.
Ende August reichte die Deutsche Finance beim Superior Court in Delaware eine 66 Seiten starke Klage ein. Die Investmentgesellschaft mit rund zehn Milliarden Euro verwaltetem Vermögen, geführt von Thomas Oliver Müller und Sven Neubauer, wirft der BVK vor, Immobilien ausgewählt, Investitionen genehmigt und bei Finanzierung, Vermietung und Preisen mitentschieden zu haben. Notwendige Entscheidungen seien verzögert oder unterlassen worden, was Verluste mitverursacht habe. Die Klägerin verlangt unbezifferten Schadenersatz und rügt Vertragsverletzung, Verleumdung und unlautere Geschäftspraktiken. Die BVK nennt die Vorwürfe unbegründet und wertet sie als Ablenkungsmanöver. Brisant ist der Vorwurf, Landtag und Innenministerium seien über die tatsächliche Rolle der Behörde falsch informiert worden. Zusätzlichen Druck erzeugen die Münchner Anwälte Peter Mattil und Stephan Greger, die die IG Versorgungswerke gegründet haben und eine unabhängige Sonderprüfung fordern.




