Der am 11. Dezember 2025 veröffentlichte EU-Bericht attestiert Deutschland eine überdurchschnittliche Körperschaftsteuer-Compliance, kritisiert jedoch massive Digitalisierungsdefizite und fehlende vorausgefüllte Steuererklärungen.
Die EU-Kommission analysiert in ihrem Bericht Mind the Gap Steuerlücken bei Mehrwertsteuer und Körperschaftsteuer. Die EU-weite MwSt-Compliance-Lücke beläuft sich 2023 auf 128 Milliarden Euro oder 9,5 Prozent. Deutschland liegt mit 31 Milliarden Euro oder circa 10 Prozent im Mittelfeld. Positiv bewertet wird die deutsche MwSt-Verwaltung bei Registrierung und schneller Betrugsreaktion (15 bis 30 Tage). Kritisiert wird fehlendes Monitoring für Änderungen. Die MwSt-Policy-Lücke liegt mit 46 Prozent unter dem EU-Durchschnitt von 51 Prozent. Bei der Körperschaftsteuer weist Deutschland mit 7,6 Prozent eine deutlich unterdurchschnittliche Lücke auf (EU-Durchschnitt: 10,9 Prozent). Bemängelt wird fehlende offizielle Veröffentlichung nationaler Schätzungen trotz Teilnahme am EU-Projekt TADEUS/FISCALIS. Die Schattenwirtschaft verursacht 8,8 Prozent des BIP an Verlusten, einer der niedrigsten EU-Werte.
Die Kommission kritisiert schleppende Digitalisierung. Die Quote elektronischer Einkommensteuererklärungen liegt mit 78,8 Prozent unter dem EU-Schnitt von 87,1 Prozent. Bei MwSt-Erklärungen: 94,6 Prozent gegenüber 99,2 Prozent EU-weit. Die föderale Struktur behindert Fortschritt: Eigene Länder-IT-Systeme, verzögerte KONSENS-Initiative, fehlendes Once-Only Prinzip. Arbeitgeber müssen Daten parallel über DEÜV und an Finanzämter melden. Deutschland bietet keine vorausgefüllten CIT- und MwSt-Erklärungen. Italien, Portugal und Spanien gelten als Vorbilder. Im Rahmen von ViDA sollte Deutschland modernisieren. ELSTER weist Fehlfunktionen bei Körperschaftsteuererklärungen auf.
Deutschland gilt als früher KI-Anwender. Das Tool X-PIDER zur Identifizierung nicht gemeldeter eCommerce-Geschäftstätigkeit wird als Best Practice genannt. Auf Landesebene bleibt der Einsatz begrenzt. NRW startete im Mai 2025 ein Pilotprojekt. Beim automatischen Informationsaustausch liegt Deutschland überdurchschnittlich: Datenabgleichsquoten für DAC1/DAC2 erreichen 89 Prozent (EU: 84 bis 87 Prozent), bei DAC6 sogar 91 Prozent. Im Tax Complexity Index belegt Deutschland Platz 16 von 27.




