Nach 17 Jahren Heimarbeit zieht Chaunie Brusie eine ernüchternde Bilanz: Mit Teenagern im Haus ist der Arbeitsplatz daheim zur Belastungsprobe geworden. Die einst ersehnte Flexibilität schlägt in ständige Verfügbarkeit um und treibt sie zurück in den Pflegeberuf.
Seit Brusie mit ihrem ersten Kind schwanger war, arbeitet sie remote. Damals prägten Stillen und Windeln ihren Alltag, heute sind es fünf Kinder zwischen sechs und 17 Jahren, deren Termine, Gefühle und Lebensplanung sie koordiniert. Die Daueraufmerksamkeit lässt kaum noch Erholung zu, anders als früher, als der Mittagsschlaf der Kleinen verlässliche Pausen bot. Die ständige Erreichbarkeit zehrt zudem an ihrer Kreativität, das Schreiben wirkt nicht mehr ausgleichend, sondern kommt zur mentalen Belastung noch dazu. Vor allem im Sommer, wenn alle Kinder zu Hause sind, fühlt sie sich permanent in Bereitschaft. Das bringt sie dazu, ihren Traum vom Homeoffice zu hinterfragen.
Die gelernte Krankenschwester sondiert deshalb Teilzeitstellen in Kliniken oder Pflegediensten. Ihre Berufszulassung hat sie all die Jahre für den Notfall aufrechterhalten. Körperliche Arbeit außerhalb des Hauses, hofft Brusie, könnte die psychische Anspannung ausgleichen und Distanz zum Familienalltag schaffen. Nach anderthalb Jahrzehnten als Schriftstellerin fällt ihr die Entscheidung nicht leicht, doch sie sieht darin keinen Misserfolg, sondern eine Anpassung an eine neue Lebensphase.




