Der neue M&A-Outlook prognostiziert eine fundamentale Spaltung der Deallandschaft mit KI als zentralem Treiber.
Wer den M&A-Markt 2026 mit historischen Zyklen erklären will, liegt falsch. Die üblichen Erholungsmuster nach wirtschaftlichen Abschwüngen greifen nicht mehr. Stattdessen beobachten die Analysten von PwC in ihrem aktuellen „Global M&A Industry Trends: 2026 Outlook" eine strukturelle Neuordnung, die wenig mit konjunkturellen Schwankungen zu tun hat. Der technologische Umbruch durch Künstliche Intelligenz verändert nicht nur, welche Unternehmen gekauft werden, sondern grundlegend, wie Transaktionen ablaufen.
Eine bemerkenswerte Verschiebung prägt das aktuelle Marktgeschehen: Die Gesamtzahl der Abschlüsse stagniert auf überschaubarem Niveau, während das aggregierte Transaktionsvolumen deutlich anzieht. Verantwortlich dafür sind Großtransaktionen oberhalb der Schwelle von fünf Milliarden US-Dollar. Diese Megadeals konzentrieren sich auf eine überschaubare Gruppe finanzstarker Konzerne mit ausgeprägter Technologieausrichtung. PwC spricht von einer K-förmigen Marktentwicklung: Ein Teil der Akteure bewegt sich steil nach oben, der andere verliert sukzessive den Anschluss.
Künstliche Intelligenz hat den Sprung vom strategischen Investmentthema in die operative Abwicklung vollzogen. Bei der Zielidentifikation, der Prüfung von Übernahmekandidaten und der anschließenden Integration übernehmen datengetriebene Systeme zentrale Funktionen. Entscheidungsgrundlagen werden präziser, Prozesse beschleunigen sich erheblich. Gleichzeitig bindet der Aufbau entsprechender Infrastruktur kurzfristig erhebliche Mittel, was die Dealaktivität temporär dämpft. Mittelfristig jedoch verschaffen sich Unternehmen, die gezielt Technologiekompetenz erwerben, nachhaltige Wettbewerbsvorteile.
Geopolitische Verwerfungen und intensivierte behördliche Prüfverfahren lenken Kapitalströme um. Transaktionen innerhalb nationaler Grenzen oder etablierter Wirtschaftsräume nehmen zu. Nordamerika, Europa und weite Teile Asiens erleben eine Regionalisierung der M&A-Aktivitäten. Grenzüberschreitende Vorhaben werden aufwendiger und unberechenbarer.
Die PwC-Erhebung liefert einen aufschlussreichen Indikator: 41 Prozent der befragten Vorstandsvorsitzenden beabsichtigen, innerhalb der kommenden drei Jahre eine substanzielle Übernahme durchzuführen. Erfolgreiche Positionierung erfordert dabei drei Komponenten: eine eindeutige strategische Ausrichtung, gesicherten Kapitalzugang sowie die Fähigkeit, technologische Innovationen nahtlos in Transaktionsprozesse zu integrieren. In einem zunehmend asymmetrischen Marktumfeld wird Abwarten zur riskantesten aller Strategien.




