WWC, P.C. verlässt Triller Group

blog main image
February 4, 2026
04.02.2026
3 Minuten Lesezeit

Der Wirtschaftsprüfer zieht sich überraschend zurück: ohne Vorwürfe, aber mit offenen Fragen zur Unternehmensfortführung.

Ein Abgang, der Fragen aufwirft

Was bewegt eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft dazu, mitten im laufenden Geschäftsjahr das Mandat niederzulegen? Bei der Triller Group Inc. müssen sich Investoren genau diese Frage stellen. Ende Januar informierte WWC die Konzernführung über den sofortigen Rückzug. Die an der NASDAQ gelistete Social Media Plattform bestätigte den Vorgang in einer Pflichtmitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC. Pikant dabei: Konkrete Gründe für den Schritt nannte die Prüfungsgesellschaft nicht.

Weder Betrug noch Rechtsbruch

In der offiziellen Darstellung betont Triller ausdrücklich, dass WWC während der gesamten Zusammenarbeit weder Hinweise auf betrügerische Handlungen noch auf Rechtsverstöße dokumentierte. Auch Differenzen über Bilanzierungsmethoden, Offenlegungspflichten oder den Umfang der Prüfungshandlungen habe es nicht gegeben. Der Jahresabschluss 2024 erhielt ein uneingeschränktes Testat. Dennoch versah WWC den Bericht mit einem Zusatz, der es in sich hat: erhebliche Zweifel an der Fortführungsfähigkeit des Geschäftsbetriebs.

Going Concern als Warnsignal

Solche Vermerke gehören zum Standardrepertoire der Abschlussprüfung, sollten Anleger aber hellhörig machen. Sie signalisieren, dass die wirtschaftliche Basis eines Unternehmens auf wackeligen Füßen steht. Im Fall von Triller existierte zudem bereits eine dokumentierte Schwachstelle: Das interne Kontrollsystem wies laut Geschäftsbericht 2024 wesentliche Mängel auf. Eine Kombination, die das abrupte Mandatsende in anderem Licht erscheinen lässt.

Kontrollverlust auf mehreren Ebenen

Die Prüferthematik trifft Triller in einer ohnehin angespannten Phase. Der Prüfungsausschuss entschied kürzlich, die Kampfsportsparte Bare Knuckle Fighting Championship bilanziell auszugliedern. Trotz bestehender Mehrheitsbeteiligung sieht das Management keine hinreichende Kontrolle mehr gegeben. BKFC wird fortan als Finanzanlage zu historischen Anschaffungskosten geführt. Parallel dazu vollzog die NASDAQ Ende Dezember 2025 das angekündigte Delisting. Auslöser waren zwei nicht fristgerecht eingereichte Periodenberichte.

Dokumentierte Einigkeit

Triller übersandte der früheren Prüfungsgesellschaft sämtliche SEC-Unterlagen und erbat eine schriftliche Bestätigung der Sachverhaltsdarstellung. WWC kam dieser Aufforderung nach und bestätigte die Angaben des Unternehmens gegenüber der Aufsichtsbehörde. Formell ist damit alles korrekt abgewickelt. Inhaltlich jedoch bleibt ein Unternehmen zurück, das innerhalb weniger Wochen seinen Börsenplatz, eine Tochtergesellschaft und nun auch seinen Abschlussprüfer verloren hat. Für die Suche nach einem Nachfolger dürfte sich die Ausgangslage als herausfordernd erweisen.