SAP-Kunden hadern mit KI-Assistent Joule

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March 5, 2026
06.03.2026
3 Minuten Lesezeit

Große Anwender bezweifeln den Nutzen des Werkzeugs. Volkswagen soll das System getestet und als unausgereift eingestuft haben.

Ernüchterung statt Begeisterung

Der Softwarekonzern SAP hat seinen KI-Assistenten Joule als Zukunftstechnologie positioniert. Doch bei Kunden und Partnern wächst die Skepsis. Bloomberg befragte mehr als ein Dutzend Beteiligte aus dem SAP-Umfeld. Das Ergebnis: Zwei bedeutende Implementierungspartner aus den USA und Deutschland berichten, dass in Kundengesprächen kaum Interesse an den KI-Produkten bestehe. Manche Anwender halten die Werkzeuge schlicht für zu teuer gemessen am Nutzen. Volkswagen gehört zu den größten SAP-Kunden weltweit. Laut Bloomberg hat der Konzern Joule erprobt und für nicht ausreichend entwickelt befunden. Der Autobauer habe nicht erkennen können, wie das System nennenswerte Einsparungen bei Kosten oder Ressourcen erzielen könne. Beide Unternehmen wollten sich zu dem Vorgang nicht äußern.

Walldorf widerspricht

SAP weist die Kritik zurück. Ein Sprecher erklärte, man beobachte starkes und breit angelegtes Interesse aus verschiedenen Branchen. Die Technologie habe im vergangenen Jahr Hunderte Millionen Dokumente verarbeitet. Das sei tägliche Realität für Kunden, kein Zukunftsversprechen. Joule entwickle sich seit der Einführung stetig weiter, und Rückmeldungen der Anwender prägten die weitere Planung.

Preismodelle sorgen für Verwirrung

Die leistungsfähigsten KI-Funktionen bietet SAP gegen Aufpreis an. Kunden kaufen Nutzungsguthaben und können dieses für verschiedene Anwendungen einsetzen. Wer mehr verbraucht als geplant, zahlt drauf. Gartner-Analysten warnten in einem Bericht, solche Modelle könnten Käufer überfordern. Ohne sorgfältige Prüfung drohten überhöhte Ausgaben. Ein Berater, der Unternehmen bei der Softwareauswahl begleitet, berichtete von durchwachsenen Testergebnissen. Joule liefere nur dann hilfreiche Antworten, wenn Anfragen extrem präzise formuliert seien. Ein Manager eines großen Partners bezeichnete die Assistenten als glorifizierte Suche. Sie könnten beim Auffinden von Informationen in Verträgen oder Rechnungen helfen, verbesserten aber keine Abläufe im Hintergrund und rechtfertigten den Preis nicht.

Anleger werden nervös

Die Unsicherheit schlägt auf den Aktienkurs durch. Seit dem Höchststand vor rund einem Jahr hat die Debatte um die KI-Strategie etwa 141 Milliarden Euro an Börsenwert vernichtet. Als SAP Ende Januar Quartalszahlen vorlegte, enttäuschte eine zentrale Kennzahl für künftige Cloud-Einnahmen. Die Aktie brach an einem Tag um 16 Prozent ein. Christian Klein verteidigt die Strategie. Mehr als zwei Drittel der jüngsten Kundenaufträge hätten KI-Produkte enthalten. Die Nutzerzahlen von Joule hätten sich im Jahresverlauf verneunfacht. „Um das ganz klar zu sagen: Wir gewinnen Aufträge wegen KI", erklärte Klein auf einer Analystenkonferenz. „Wir verlieren keine Aufträge wegen KI."