Deloitte, EY, PwC und KPMG bauen ihre Kapazitäten für autonome Systeme aus. Die Technologie verändert Beratung und Wirtschaftsprüfung von Grund auf.
Die großen Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaften erleben einen Umbruch. Intelligente Systeme erledigen nicht mehr nur Einzelaufgaben, sondern koordinieren komplette Arbeitsabläufe. Diese sogenannten agentischen Anwendungen formulieren Zwischenziele, rufen Datenbanken ab, prüfen Dokumente und halten jeden Schritt fest. Projekte, die früher Wochen an Recherche und Abstimmung verschlangen, lassen sich heute in Tagen vorstrukturieren. Zwischen den vier großen Gesellschaften ist ein Wettbewerb um die leistungsfähigsten Systeme entbrannt. Jede Organisation setzt eigene Akzente. Deloitte verknüpft autonome Helfer mit großen Transformationsprogrammen. EY konzentriert sich auf Risikobewertung und Compliance. PwC verfolgt einen Plattformansatz, bei dem einmal entwickelte Komponenten in verschiedenen Projekten zum Einsatz kommen. KPMG verbindet Branchenwissen mit konkreten Technologiepaketen, etwa rund um SAP-Implementierungen.
Kunden erleben die Zusammenarbeit anders als früher. Antworten kommen schneller, Zwischenergebnisse wirken durchdachter, Probleme werden früher erkannt. Ein autonomes System kann Unterlagen sortieren, Zeitpläne entwerfen und offene Fragen direkt in die Projektsteuerung einspeisen. Berater gewinnen Freiraum für strategische Einschätzungen und die Kommunikation mit Entscheidern. Gerade in der Wirtschaftsprüfung zählt nicht nur Leistung, sondern auch rechtliche Absicherung. Prüfer arbeiten mit vertraulichen Unterlagen und unterliegen strengen Verschwiegenheitspflichten. Autonome Systeme greifen auf Dateien zu, starten Folgeprozesse und speichern Ergebnisse. Jede dieser Aktionen erfordert klare Berechtigungen, lückenlose Protokolle und eindeutige Verantwortlichkeiten. Wer diese Anforderungen vernachlässigt, riskiert später Probleme bei Prüfungen oder Haftungsfragen.
Der technologische Wandel verändert auch die Rollenverteilung. Fachleute, die Arbeitsabläufe entwerfen, Risiken einschätzen und Ergebnisse verständlich aufbereiten, werden wichtiger. Jüngere Teammitglieder profitieren davon, dass Hinweise und Erklärungen direkt in den Arbeitsfluss eingebettet sind. Die Lernkurve wird steiler. Der eigentliche Gewinn entsteht nicht durch einzelne Werkzeuge, sondern durch deren Zusammenspiel. Kürzere Abstimmungsschleifen, frühere Entwürfe, präzisere Vorgaben: Die Wirkung zeigt sich dort am deutlichsten, wo viele Beteiligte koordiniert werden müssen und die Komplexität hoch ist.




