Grant Thornton analysiert Steuer-Digitalisierung

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March 5, 2026
05.03.2026
3 Minuten Lesezeit

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft hat untersucht, wie deutsche Unternehmen ihre Steuerfunktionen modernisieren. Regulatorische Pflichten erweisen sich als stärkste Antriebskraft.

Zwang statt Kür

Die Transformation der Steuerabteilungen folgt selten einer freiwilligen Agenda. Externe Vorgaben setzen den Rahmen. Grant Thornton hat zusammen mit dem Marktforschungshaus Lünendonk 84 Firmen unterschiedlicher Größe und Branche befragt. Das Ergebnis überrascht kaum: Die elektronische Rechnungsstellung gilt bei 87 Prozent als wichtigster Katalysator für mehr Automatisierung. Internationale Regelwerke zur Mindestbesteuerung und Nachhaltigkeitsberichterstattung verstärken den Handlungsdruck zusätzlich. Ein Blick hinter die Kulissen offenbart Widersprüche. Während Unternehmen von digitaler Zukunft sprechen, klebt die Praxis am Altbewährten. 94 Prozent der Befragten nutzen weiterhin Tabellenkalkulationen als Bindeglied zwischen verschiedenen Systemen. Diese Behelfslösung zeigt, dass IT-Landschaften vielerorts fragmentiert bleiben. Betriebswirtschaftliche Standardsoftware wie SAP kommt zwar in 85 Prozent der Firmen zum Einsatz, doch intelligente Anwendungen finden sich nur bei jedem dritten Unternehmen.

Was den Fortschritt bremst

Mehrere Faktoren verlangsamen die Modernisierung. Begrenzte Mittel nennen 71 Prozent als Hindernis. Die Verknüpfung unterschiedlicher Anwendungen bereitet 63 Prozent Schwierigkeiten. Mehr als die Hälfte kämpft mit mangelhafter Datenqualität. Ohne verlässliche Informationen laufen selbst ausgefeilte Werkzeuge ins Leere. Der Einsatz lernfähiger Technologien bleibt bescheiden. Knapp die Hälfte der Unternehmen verzichtet vollständig auf entsprechende Anwendungen in der Steuerfunktion. Wo sie zum Einsatz kommen, beschränken sie sich auf Dokumentenerstellung, automatisierte Anfragenbeantwortung und Rechnungsabgleich. Autonome Systeme, die eigenständig Entscheidungen vorbereiten, stecken überwiegend noch in Versuchsphasen.

Wandel der Berufsrolle

Stefanie Nattkämper-Scholz, Partnerin bei Grant Thornton, erkennt eine strukturelle Verschiebung. Routinearbeiten würden zunehmend maschinell erledigt, während Fachleute stärker beratend tätig seien. Bereits 58 Prozent der Steuerabteilungen verstehen sich als Mischung aus Pflichterfüller und strategischem Begleiter. Die Funktion entwickelt sich vom reinen Zuarbeiter zum Impulsgeber für Investitionen, Standortentscheidungen und Lieferkettengestaltung.