Die amerikanische Handelskammer will die Ergänzungsabgabe sofort kippen. Eine Studie der Universität St. Gallen liefert die Argumente. Doch die Steuerexperten von KPMG warnen vor einem übereilten Schritt.
Die Schweiz hat 2024 eine nationale Ergänzungssteuer eingeführt, um die Vorgaben der OECD-Mindestbesteuerung umzusetzen. Große Konzerne sollen mindestens 15 Prozent auf ihre Gewinne zahlen. Besteuert die Schweiz nicht selbst, dürfen andere Länder zugreifen. Genau diese Abgabe steht jetzt im Feuer. Die Swiss-American Chamber of Commerce hat eine Untersuchung der Universität St. Gallen vorgelegt, die ein vernichtendes Urteil fällt und ein sofortiges Ende noch in diesem Jahr fordert.
Bei der jährlichen Präsentation ihres Steuerreports bezog KPMG Gegenposition. Steuerchef Stefan Kuhn stellte klar: Die Studie spiegle die Interessen einer bestimmten Klientel wider. Was für Mitglieder der amerikanischen Kammer günstig sei, müsse für das Land nicht stimmen.
Olivier Eichenberger von KPMG zerlegte die Frage nach Gewinnern und Verlierern. Für Schweizer Töchter amerikanischer Mutterkonzerne, die unter neue transatlantische Regelungen fallen, brächte ein Wegfall durchaus Erleichterung. Firmen mit Schweizer Zentrale oder Sitz außerhalb der USA stünden hingegen schlechter da. Ohne eigene Ergänzungsabgabe öffnet die Eidgenossenschaft die Tür für Zugriffe aus dem Ausland. Eine Sonderregelung nur für US-Töchter hält KPMG für unrealistisch. Die OECD würde solches Rosinenpicken kaum durchwinken. Eichenberger rät zum Abwarten. Bei Bedarf könne die Regierung die Steuer per Verordnung rasch aussetzen. Außerdem rechnet Bern mit Einnahmen von rund zwei Milliarden Franken.
Der klassische Teil des Reports verglich die kantonalen Steuersätze. Bei der Gewinnbesteuerung sank der Landesdurchschnitt leicht auf 14,4 Prozent. Luzern setzte sich dank einer kleinen Senkung erstmals an die Spitze, Zürich und Bern bleiben am teuersten. Kuhn relativierte: Seit Einführung der Mindeststeuer zähle der Satz weniger. Marktzugang wiege heute schwerer.
Neu legte KPMG einen Vergleich der Vermögensabgaben für Wohlhabende vor. Die Spanne reicht von 0,13 Prozent in Nidwalden bis 0,86 Prozent in Genf. Bei der Einkommenssteuer bleibt Schwyz am günstigsten, Genf am teuersten. Eine Zahl sticht heraus: Das oberste Prozent der Steuerzahler bringt mehr als die Hälfte des Aufkommens bei der direkten Bundessteuer auf.




