Die Insolvenzverwalter des chinesischen Immobilienkolosses fordern 57 Milliarden Yuan von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Vor Gericht streiten die Parteien über die Frage, wer im globalen Netzwerk haftet.
Der Zusammenbruch von Evergrande zieht weite Kreise. Die Liquidatoren des einst größten Immobilienentwicklers Chinas haben PricewaterhouseCoopers vor Gericht gezerrt. Ihre Forderung: umgerechnet rund 8,4 Milliarden Dollar wegen angeblich mangelhafter Prüfungsarbeit. Im Visier des Hongkonger Gerichts stehen gleich mehrere Teile des PwC-Verbunds: die internationale Dachgesellschaft sowie die Niederlassungen in Hongkong und Festlandchina.
Die Verteidigung pocht auf Abgrenzung. Ein Anwalt von PwC International erklärte, das weltweite Netzwerk bestehe aus rechtlich selbstständigen Einheiten. Die asiatischen Gesellschaften seien keine Ableger der Zentrale. Zudem habe die Dachorganisation nie unmittelbar mit Evergrande zu tun gehabt und schulde dem Konzern daher nichts. Die Klägerseite widerspricht. Die internationale Einheit stehe an der Spitze des Verbunds und müsse sicherstellen, dass alle Mitglieder ordentlich arbeiten. Die Prüfung von Evergrandes Zahlen sei keine isolierte Angelegenheit einzelner Büros gewesen.
PwC steht wegen Evergrande nicht zum ersten Mal am Pranger. Chinesische Behörden verhängten 2024 eine halbjährige Sperre gegen die dortige Gesellschaft und kassierten eine Rekordstrafe von 441 Millionen Yuan. Der Vorwurf: Die Prüfer hätten geschönte Umsätze durchgewunken und Anleiheemissionen auf Grundlage falscher Berichte ermöglicht. In Hongkong lief es ähnlich. Die dortige PwC-Einheit musste 300 Millionen Hongkong-Dollar zahlen und wurde ebenfalls suspendiert. Obendrein legte sie eine Milliarde Hongkong-Dollar für geschädigte Kleinanleger zurück.
Evergrande rutschte Ende 2021 in die Zahlungsunfähigkeit. Die Schulden türmten sich auf über 300 Milliarden Dollar. 2024 ordnete ein Hongkonger Richter die Abwicklung an. Die offenen Forderungen belaufen sich auf geschätzte 45 Milliarden Dollar. Dem stehen bislang verwertete Vermögenswerte von gerade einmal 255 Millionen Dollar gegenüber. Sollten die Liquidatoren gegen PwC gewinnen, könnte das die Masse spürbar aufbessern.




