Der Berliner Frühphasenfonds seed+speed Ventures hat seinen dritten Fonds deutlich über Plan abgeschlossen. Das Vehikel richtet sich auf europäische Unternehmenssoftware mit klarem Bezug zu Künstlicher Intelligenz und deren sicherer Nutzung.
Seed+speed Ventures hat seed+speed III mit 90 Millionen Euro abgeschlossen, obwohl ursprünglich 30 Millionen Euro vorgesehen waren. Die Obergrenze wurde im Prozess zweimal angehoben, was auf starke Nachfrage im Investorenkreis hindeutet. Der Fonds investiert in sehr frühen Phasen und öffnet sich erstmals für europäische Jungunternehmen außerhalb des deutschsprachigen Raums. Erste Tickets liegen typischerweise zwischen 0,5 und 1,5 Millionen Euro, zugleich kann für einzelne Unternehmen mehrstelliges Folgekapital bereitgestellt werden. Mit dem größeren Volumen kann seed+speed häufiger führende Rollen in Finanzierungsrunden übernehmen und damit Konditionen sowie Steuerungs- und Kontrollrechte stärker prägen. Das erhöht die Sichtbarkeit als verlässlicher Anker, besonders bei Modellen, die in kurzer Zeit mehrere Finanzierungsrunden benötigen.
Inhaltlich fokussiert sich seed+speed III auf Unternehmenssoftware mit KI-Bezug - entweder als Kerntechnologie oder als Werkzeug, das KI sicherer und effizienter in Organisationen nutzbar macht. Im Zentrum stehen damit Themen wie Sicherheit, Datenschutz, Steuerungs- und Kontrollstrukturen, Qualitätsmanagement, Kostenkontrolle und messbare Produktivität. Carsten Maschmeyer argumentiert, Europa brauche mehr Durchsetzungskraft, um aus Innovation größere Unternehmen zu bauen und international wettbewerbsfähig zu bleiben. Managing Partner Alexander Kölpin betont, entscheidend sei nicht mehr die Frage, ob Unterneh-men KI einsetzen, sondern wie sie es tun. Für Investoren sind in diesem Segment neben Produkt und Markt vor allem Compliance-Fähigkeit, Nachweisbarkeit der Wirkung und Anschlussfähigkeit an Kontrollsysteme zentral. Gerade bei Unternehmenssoftware werden Sicherheitsarchitektur und regulatorische Robustheit früh zu Bewertungsfaktoren.
Seed+speed kombiniert Kapital mit einem dedizierten Unterstützungsteam, das beim Aufbau skalierbarer Markteintritts- und Vertriebsstrukturen in Europa hilft. Genannt werden zudem operative Hebel wie Kommunikation, Marketing und soziale Medien, was den Fonds als aktiven Aufbaupartner positioniert. Pro Jahr sind sieben bis neun neue Beteiligungen geplant, was eine klar strukturierte Portfoliologik nahelegt. Zu den Investoren zählen institutionelle Anleger wie Banken und Stiftungen, Mediengruppen, Familienbüros, Industrieholdings sowie Fachleute aus Recht und Steuern, ergänzt um Immobilienunternehmer und vermögende Privatpersonen. Nach Angaben des Fonds wurden bereits 13 Jungunternehmen finanziert, darunter Orq.ai, RIIICO, Optimuse und Eleven Dynamics. Als bekannte Namen im Umfeld werden unter anderem Finanzguru, pliant, Kertos, Prewave, Enginsight und Orderlion genannt.




