Streit um die Zukunft der Wirtschaftsprüfung in Deutschland

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May 29, 2026
01.06.2026
2 Minuten Lesezeit

Kleine Kanzleien befürchten, dass Großgesellschaften und Finanzinvestoren die Regeln der Branche umschreiben. Bei der anstehenden Kammerwahl geht es um mehr als Posten.

Richtungsentscheidung im Juli

Wer bestimmt, wie Wirtschaftsprüfer in Deutschland künftig arbeiten? Diese Frage steht hinter einer Wahl, die normalerweise nur Eingeweihte interessiert. Bis Anfang Juli stimmen die Mitglieder der Wirtschaftsprüferkammer über die Zusammensetzung ihres Beirats ab. Das Gremium legt fest, welche Standards gelten und wohin sich der Berufsstand entwickelt. Diesmal ist die Abstimmung brisant. Auf der einen Seite stehen Deloitte, EY, KPMG und PwC. Auf der anderen Seite Tausende kleinerer Praxen, die fürchten, an den Rand gedrängt zu werden.

Worum es wirklich geht

Regina Vieler leitet den Deutschen Wirtschaftsprüferverein und führt selbst eine Kanzlei in Sachsen. Sie sieht einen grundsätzlichen Konflikt. Die großen Gesellschaften hätten ungewöhnlich viele Kandidaten ins Rennen geschickt. Das deute auf den Versuch hin, die Mehrheit im Beirat zu erlangen und anschließend die Spielregeln zu lockern. Im Kern dreht sich der Streit um Unabhängigkeit. Prüfer sollen neutral beurteilen, ob Bilanzen stimmen. Wer Renditeinteressen unterliegt oder zu eng mit dem geprüften Unternehmen verbandelt ist, kann das nicht glaubwürdig leisten. 

Geld von außen

Viele kleinere Kanzleien stehen vor teuren Investitionen. Digitalisierung und künstliche Intelligenz verschlingen Kapital, das oft fehlt. Private-Equity-Firmen haben die Branche als Wachstumsmarkt entdeckt und bieten sich als Partner an. Der Wirtschaftsprüferverein warnt vor den Folgen. Externe Geldgeber erwarteten Rendite. Das könne dazu führen, dass Prüfungen billiger und oberflächlicher würden. Die Logik von Beteiligungsgesellschaften vertrage sich nicht mit dem Auftrag, unabhängig zu urteilen.

Prüfer im Konzern

Ein weiterer Zankapfel ist die Idee, Wirtschaftsprüfer direkt bei Unternehmen anzustellen. Sie dürften zwar nicht den eigenen Arbeitgeber prüfen, könnten aber von innen zuarbeiten. Kritiker halten das für ein Einfallstor, um die Trennung zwischen Prüfer und Geprüftem aufzuweichen. Die Großgesellschaften bestreiten, Eigeninteressen zu verfolgen. Man wolle sich für die gesamte Branche einsetzen, heißt es. Ob das die Bedenken zerstreut, wird sich nach der Auszählung zeigen.

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