Die zivile Behörde CAISI darf vorerst keine öffentlichen Modellbewertungen mehr abgeben. Sicherheitsbehörden gewinnen unterdessen an Einfluss bei der Begutachtung leistungsfähiger KI-Systeme.
Eine Reihe von Vorgängen der letzten Wochen lässt darauf schließen, dass die Behörde innerhalb der amerikanischen KI-Aufsicht an Bedeutung verliert. Ein nationales Sicherheitsmemo aus dem Weißen Haus erwähnt die Stelle im Abschnitt zu Risiken künstlicher Intelligenz an keiner Stelle, dafür rücken Geheimdienste und Sicherheitsorgane in den Vordergrund. Bereits im April musste ein ehemaliger Forscher von Anthropic, der erst kurz zuvor die Leitung übernommen hatte, auf Druck der Regierung seinen Hut nehmen. Im Mai folgte das Verbot, eine bereits angekündigte Kooperation mit Microsoft, Google und xAI öffentlich vorzustellen.
Wie das Wall Street Journal recherchierte, soll die jüngste Anordnung verlangen, dass keine Sicherheitsbewertungen mehr nach außen gegeben werden. Wie lange das gelten soll, hängt vom Fortschritt bei einem präsidialen Dekret ab, das die KI-Aufsicht in den Vereinigten Staaten neu regeln soll. Dem Vernehmen nach geht die Weisung auf Sean Cairncross zurück, den National Cyber Director der Regierung. Personen, die mit der Sache vertraut sind, sehen darin den Versuch, die Bewertung leistungsstarker Modelle aus dem zivilen Bereich abzuziehen.
Im Kern des Vorhabens steht ein Mechanismus, durch den ausgewählte Bundesbehörden vor der Markteinführung Zugriff auf besonders mächtige KI-Modelle erhalten sollen, basierend auf freiwilligen Vereinbarungen mit den Anbietern. Der vorgesehene Zeitraum: bis zu 30 Tage. Parallel soll ein geheimes Testverfahren entstehen, in dem nicht zivile Stellen, sondern Akteure aus dem Sicherheitsapparat die Hauptrolle spielen.
Die Regierung selbst wehrt sich gegen die Darstellung, hier kämen interne Konflikte zum Ausdruck. Liz Huston, Sprecherin im Weißen Haus, betonte gegenüber dem Wall Street Journal, dass die Umsetzung der KI-Strategie des Präsidenten eine Aufgabe sei, an der zahlreiche Behörden gleichermaßen mitwirkten.
Die Behörde hat eine relativ kurze, aber ereignisreiche Geschichte. Gegründet wurde sie unter Joe Biden im Jahr 2023, damals noch unter dem Namen U.S. AI Safety Institute. Mit dem Regierungswechsel bekam sie ihren heutigen Namen und eine andere Ausrichtung. Verankert ist sie beim Standardisierungsinstitut NIST, das wiederum dem Handelsministerium untersteht. Die führenden Entwickler künstlicher Intelligenz, darunter OpenAI und Anthropic, pflegen seit der Vorgängerregierung enge Beziehungen zu der Stelle. Sie sprechen sich öffentlich dafür aus, dass die Einrichtung in ihrer bisherigen Funktion erhalten bleibt.




