Stellenanzeigen für Fachleute rund um künstliche Intelligenz haben sich seit 2022 mehr als verdreifacht. Die großen Wirtschaftsprüfer rüsten im Wettlauf um die Technologie auf, während klassische Prüfjobs anteilig schrumpfen.
Die vier größten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften der Welt stellen ihre Rekrutierung um. Deloitte, EY, KPMG und PwC veröffentlichten im vergangenen Jahr mehr Stellenanzeigen für KI-Experten als für klassische Prüfer. Das zeigt eine Auswertung der Financial Times, die über 50.000 öffentliche Jobinserate in englischsprachigen Ländern analysierte. Rollen mit KI-Bezug machten 2025 knapp sieben Prozent aller Ausschreibungen aus. Noch 2022, als ChatGPT auf den Markt kam, lag der Anteil unter zwei Prozent. Prüferstellen sanken im selben Zeitraum auf unter drei Prozent.
Die Firmen suchen ein breites Spektrum: Ingenieure für maschinelles Lernen, Entwickler für generative KI, Experten für die Automatisierung von Arbeitsabläufen durch digitale Agenten. Vier von fünf ausgeschriebenen Stellen verlangten 2025 Programmierkenntnisse, deutlich mehr als noch vier Jahre zuvor. Daneben entstehen weichere Rollen. Manche Anzeigen suchen Leute, die Mandanten von der Technologie überzeugen oder Kollegen beim Umgang mit neuen Werkzeugen schulen sollen. Eine KPMG-Ausschreibung verlangte Erfahrung mit Chatbot-Prompts und der Steuerung digitaler Agenten. EY suchte in London jemanden, der Kunden beim Einsatz generativer KI in der Steuerabteilung begleitet.
Die Prüfungsriesen investieren Milliarden in die Integration der Technologie. Gleichzeitig wollen sie Beratungshonorare kassieren, indem sie Mandanten beim eigenen KI-Einsatz helfen. Alex Hamilton-Baily vom Personalberater Odgers fasst zusammen: KI sei ein strategisches Kernthema, niemand wolle zurückfallen. Die eigentliche Hürde sei der Mangel an Talenten. PwC-Verwaltungsratschef Mohamed Kande klagte im vergangenen Jahr, sein Haus suche Hunderte KI-Ingenieure und finde sie nicht.
Trotz des KI-Booms bleibt klassisches Prüfungswissen gefragt. Ian Pay vom britischen Berufsverband ICAEW beobachtet, dass die Prüfabteilungen sogar wachsen, die zusätzlichen Stellen aber vor allem technologisch geprägt sind. Ein Personalverantwortlicher der Big Four bestätigte: Die Einstellungen im Prüfgeschäft steigen um sechs Prozent jährlich, doch KI-Kompetenz werde inzwischen in jeden Rekrutierungsprozess eingebaut. Bewerber bräuchten beides: solides Buchhaltungswissen und die Fähigkeit, mit neuen Plattformen umzugehen. KPMG erklärte, man entwickle KI-Kompetenz quer durch die gesamte Belegschaft. Vertrauenswürdige künstliche Intelligenz werde für den Prüfungsprozess immer wichtiger.




