Ein Bewerber bestand sein erstes Vorstellungsgespräch bei einem KI-Avatar und bekam anschließend die Stelle. Was einst nur bei Stundenkräften üblich war, erreicht jetzt zunehmend Managementpositionen.
Ein 45-jähriger IT-Experte aus Austin traf im Frühjahr auf den KI-Chatbot Sophie von Experis, bevor er nach zwei weiteren Gesprächen mit Menschen die Stelle als Senior AI Solutions Architect erhielt. Laut einer Greenhouse-Umfrage wurden 63 Prozent der US-Befragten im vergangenen Jahr von einer KI interviewt, in Deutschland waren es 57 Prozent. Coinbase erhält jährlich 1,5 Millionen Bewerbungen und stellte laut Personalchef L.J. Brock bereits über 240 Personen ein, die zuvor vom KI-System Milo vorselektiert wurden. Analyst Kyle Lagunas schätzt, dass mindestens drei Dutzend Anbieter solche Systeme verkaufen.
38 Prozent der Jobsuchenden brachen laut Greenhouse mindestens einen Bewerbungsprozess wegen eines KI-Interviews ab, gleichzeitig fühlten sich 36 Prozent der US-Befragten auch bei menschlichen Interviewern altersbedingt unterschiedlich bewertet. Cornell-Professor JR Keller kritisiert die fehlende Transparenz, Kandidaten hätten oft nicht das Gefühl, dass sich jemand für sie als Individuum interessiere. Karrierecoach Alan Stein rät Bewerbern trotzdem zur Anpassung, denn wer sich verweigere, mit KI zu arbeiten, müsse sich darauf einstellen, außen vor zu bleiben.




