Eine GreenPT-Erhebung unter 514 deutschen KI-Unternehmen zeigt: Wer digitale Souveränität verspricht, baut häufig trotzdem auf Technik aus Kalifornien. Eine heimische Alternative im Spitzensegment existiert schlicht nicht.
Von den untersuchten Firmen werben 173 mit EU-Hosting, deutscher Datenhaltung oder Betrieb im eigenen Haus. Bei 72 von ihnen läuft darunter dennoch ein proprietäres Modell eines US-Anbieters. Am deutlichsten fällt dieser Widerspruch dort aus, wo die Compliance-Anforderungen am strengsten sind: in Recht, Personalwesen, Verwaltung und im Finanzsektor. Ausgerechnet die Branchen mit der lautesten Souveränitätsrhetorik greifen technisch am häufigsten zur amerikanischen Basis.
Nur 221 der 514 Unternehmen legen überhaupt offen, welches Modell sie einsetzen; auf diese Gruppe beziehen sich sämtliche Anteile. Rund 53 Prozent von ihnen stützen sich auf mindestens einen US-Spitzenanbieter, also OpenAI, Anthropic, Google, Microsoft oder AWS. Etwa 43 Prozent entwickeln daneben eigene Modelle, was sich nicht ausschließt: In Industrie und Medizintechnik entstehen domänenspezifische Systeme für Bilderkennung oder Wartungsprognosen, während für Sprachaufgaben weiterhin fremde Schnittstellen angezapft werden. Der einzige europäische Anbieter mit nennenswerter Verbreitung ist Mistral mit rund zehn Prozent. Ein in Deutschland betriebenes Spitzenmodell gibt es nicht.
Beim Blick über die Grenze relativiert sich das Bild. Der deutsche Markt weicht kaum vom europäischen Mittel ab, die Abhängigkeit liegt lediglich vier Prozentpunkte darüber. Auffällig ist allein die Mischung: Google und Anthropic sind hierzulande stärker vertreten als im übrigen Europa, wo OpenAI dominiert. Für Robert Keus, Gründer und CEO von GreenPT, verschiebt das die Debatte: „Wer über die Zukunft der KI in Europa diskutiert, sollte nicht nur Rechenzentren und Datenresidenz in den Blick nehmen, sondern auch die Modelle, auf denen Anwendungen letztlich aufbauen."




