Der SpaceX-Börsengang ist nicht nur ein Kapitalmarktereignis, er ist ein Systemrisiko. Warburg-Investmentchef Christian Jasperneite warnt: Die Sonderregeln der Nasdaq für SpaceX gefährden die Integrität passiver Investments.
Beim SpaceX-Börsengang hat die Nasdaq eine bislang beispiellose Regelanpassung vorgenommen: Der Streubesitzfaktor, der üblicherweise bestimmt, wie stark eine Aktie in einem Index gewichtet wird, wurde für SpaceX künstlich um den Faktor drei erhöht. Aufgrund des sehr geringen tatsächlichen Streubesitzes wäre SpaceX ohne diese Anpassung nur mit einem vergleichsweise bescheidenen Gewicht im Nasdaq 100 vertreten. Mit der neuen Fast-Entry-Regel wird SpaceX zudem bereits nach 15 Handelstagen in den Index aufgenommen. Die Folge: ETF-Gesellschaften müssen massiv in SpaceX umschichten, in einem Umfang, den der tatsächliche Streubesitz eigentlich nicht hergibt. Jasperneite bezeichnet das als Taschenspielertrick ohne seriöse Grundlage.
Christian Jasperneite, Investmentchef der Privatbank M.M. Warburg & CO, warnt vor den strukturellen Folgen dieser Entscheidung. Zwar erzeuge der Mechanismus zunächst eine positive Wertentwicklung durch nahezu zwingende Kapitalzuflüsse. Die massive Indexgewichtung bei geringem Streubesitz werde jedoch zwangsläufig zu erhöhter Volatilität führen. Dasselbe Regelwerk soll künftig auch für die geplanten Börsengänge von OpenAI und Anthropic gelten. Für Jasperneite ist die Grenze klar überschritten: Passives Investieren sei über drei Jahrzehnte eine globale Erfolgsgeschichte gewesen. Wenn Indexanbieter anfingen, diese Konstruktionen zu manipulieren, entstehe ein Problem für alle Marktteilnehmer.




