50 Bewerbungen, null Interviews: Was wirklich hilft

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January 29, 2026
29.01.2026
2 Minuten Lesezeit

Wer im aktuellen Markt nur die Anzahl der Bewerbungen erhöht, optimiert häufig die falsche Kennzahl. Alan Stein, CEO von Kadima Careers, setzt auf die Fünf Chats Regel und damit auf planbares Networking statt auf Bewerbungsvolumen.

Eine Erfolgsquote von drei Prozent

Bewerbungsprozesse liefern kurzfristig das Gefühl von Fortschritt, bleiben aber häufig ohne Resonanz, gerade wenn Screening und Timing gegen Kandidat:innen arbeiten. Alan Stein, CEO von Kadima Careers, setzt deshalb auf die Fünf Chats Regel: fünf Gespräche pro Woche mit Menschen in Unternehmen, die fachlich passen. Nicht als Bitte um eine Stelle, sondern als Gespräch mit Erkenntnisgewinn und Beziehungseffekt. „Geht mit der Absicht hinein, etwas über sie zu erfahren“, sagt Stein. Der Kern ist Vorarbeit: Kontakte entstehen, bevor Rollen offiziell werden und bevor standardisierte Prozesse die Auswahl verengen. Aaron Cleavinger, geschäftsführender Gesellschafter der Murdoch Mason Executive Search Group, beziffert den Ertrag klassischer Bewerbungen entsprechend nüchtern: Nach seiner Einschätzung führen Bewerbungen nur in rund drei Prozent der Fälle zu einem Vorstellungsgespräch.

Auch ohne akute Jobsuche

Der Aufbau von Kontakten funktioniert am besten, wenn keine unmittelbare Transaktion dahintersteht. Cleavinger bringt es auf den Punkt: „Der richtige Zeitpunkt, um mit dem Networking zu beginnen, ist dann, wenn man nichts von jemand anderem braucht“. In stabilen Phasen reichen wenige, aber regelmäßige Gespräche, um Beziehungen zu pflegen und Marktbewegungen früher zu erkennen. Relevante Kontakte entstehen dabei nicht nur über ehemalige Kollegen, sondern auch über Anbieter oder Berater aus gemeinsamen Projekten, also Personen, die die Arbeitsweise bereits einschätzen können. Entscheidend ist „echte Neugier“ auf Menschen und ihre Arbeit, nicht die Suche nach der nächsten offenen Stelle.

Ohne peinliche Jobfrage

Die Wirkung entsteht über den Rahmen: Ein Austausch, der als Gespräch auf Augenhöhe gestartet wird. Cleavinger empfiehlt einen schlichten Einstieg wie: „Ich würde mich gerne mit Ihnen unterhalten“. Wer so ein Gespräch führt, muss am Ende weder nach einer Stelle fragen noch um Hinweise auf Vakanzen bitten. „Wenn die Person nach dem Gespräch einen positiven Eindruck von euch hat, wird sie ohnehin an euch denken“, sagt er. Stein berichtet zudem von einem Austausch mit einer hochrangigen Führungskraft im Silicon Valley, die ihm „fantastische Ratschläge“ gab, etwa zur Profilschärfung und zur Differenzierung seines Angebots. Sein Fazit: „Es ist ergiebiger“ und oft angenehmer als das fortlaufende Einreichen von Bewerbungen.