So brachte ein E-Mail-Trick den Snapchat Job

blog main image
January 30, 2026
30.01.2026
3 Minuten Lesezeit

Ein Wechsel in die Techbranche ohne einschlägiges Praktikum wirkt im Abschwung wie ein Risiko. Sreeja Apparaju zeigt, wie ein enger Unterstützerkreis und ein gezielter Kontaktaufbau den Prozess trotzdem beschleunigen können.

Freunde als Bewerbungsnetzwerk

Als Apparaju Ende 2022 den Wechsel aus der Finanzwelt in Richtung Tech anstieß, traf der Plan auf einen Markt mit Entlassungswellen und sinkender Einstiegsnachfrage. Parallel fehlte die typische Vita mit Techpraktika, stattdessen stand ein Praktikum als Analyst bei der Deutschen Bank in New York im Lebenslauf. Den entscheidenden Stabilitätsfaktor bildete ein Kreis von vier Freunden, die sich auf ähnliche Software-Rollen bewarben und Kontakte konsequent teilten. Sobald eine Rückmeldung von Personalverantwortlichen kam, gingen Kontaktdaten in die Gruppe, statt als Wettbewerbsvorteil gehortet zu werden. Apparaju beschreibt das als Beschleuniger, weil jeder Kontakt den nächsten Prozess anstoßen konnte.

Kreatives Networking statt Warten auf Rückmeldungen

Über den geteilten Austausch entstand unter anderem ein Draht zu Palantir, inklusive zügiger Online-Bewertung und Intervieweinladung. Auch wenn die Stelle am Ende nicht zustande kam, blieb ein Lerneffekt: Sichtbarkeit entsteht häufig erst über Personen, nicht über Portale. Als Anfang 2023 eine Stelle bei Snap Inc. auffiel, kam zunächst eine Empfehlung über den Cousin eines Freundes zustande, und die Bewerbung ging unmittelbar nach Veröffentlichung raus. Als nach Wochen keine Rückmeldung kam, verlagerte Apparaju den Fokus auf die Personalgewinnungsebene und suchte gezielt nach Zuständigen für Hochschulabsolventen. Die Kontaktaufnahme sollte bewusst nicht als kurze LinkedIn Nachricht wirken, sondern als sauberer E-Mail-Kontakt mit Lebenslauf und klarer Interessensbekundung.

E-Mail Trick als Türöffner

Die Hürde war banal und in der Praxis typisch: Eine E-Mail-Adresse war nicht öffentlich, LinkedIn Premium stand nicht zur Verfügung. Apparaju nutzte deshalb das bekannte E-Mail-Muster des Empfehlungskontakts und leitete daraus die Adresse der zuständigen Person ab, mit dem einfachen Prinzip, dass falsche Varianten als Unzustellbarkeit zurückkommen. Der Schritt ersparte eine weitere Bitte an den Empfehlungsgeber, weil die Empfehlung bereits Zeit gekostet hatte und die Schwelle für zusätzliche Anliegen hoch war. Kurz darauf kam die Antwort, verbunden mit der Aufforderung zum Onlinetest. Der Prozess ging in ein Fach- und Verhaltensinterview über und mündete in eine finale Runde mit mehreren technischen Interviews an einem Tag.

Was aus dem Prozess mitgenommen wurde

Im März kam das Angebot, Start war im August 2023, inzwischen arbeitet Apparaju bei Snap als Ingenieurin für maschinelles Lernen in New York. Als Vorteil wird die geringere Größe gegenüber Meta oder Google genannt, weil Verantwortung früher übertragen wird und der Spielraum größer ist. Die drei zentralen Learnings sind klar umrissen: Zuständige in Zielunternehmen aktiv identifizieren und ansprechen, Vorbereitung systematisch betreiben und Rollen nicht vorschnell ausschließen, nur weil der Lebenslauf nicht perfekt passt. Zusätzlich zeigt der Fall, dass ein unterstützendes Umfeld den psychologischen Druck senkt und Information als kollektiver Vorteil wirkt. Gerade im engen Markt kann das den Unterschied zwischen Warteschleife und Termin im Kalender ausmachen.