Die Regierung in Canberra prüft weitreichende Eingriffe in die Strukturen der vier großen Beratungsgesellschaften. Auslöser sind die Skandale rund um PwC und KPMG. Im Raum stehen eine Trennung von Prüfungs- und Beratungssparten, kleinere Partnerschaften und eine strengere Aufsicht durch die Wertpapierbehörde.
Ein Papier aus dem Finanzministerium listet mehrere Hebel auf. Am weitesten gehen würde eine strukturelle Trennung, bei der Prüfung und Beratung in verschiedene Unternehmen aufgespalten werden müssten. Als abgeschwächte Variante steht eine operative Trennung im Raum, die es den Häusern lediglich untersagen würde, denselben Kunden mit beiden Leistungen zu versorgen. Zusätzlich denkt die Regierung darüber nach, die zulässige Zahl an Partnern pro Sozietät von derzeit 1.000 auf 400 zu kürzen. Damit würden Beratungsgesellschaften rechtlich ähnlich behandelt wie Anwaltskanzleien. Ergänzend wird eine Pflicht diskutiert, wonach Prüfungsmandate alle zwanzig Jahre neu vergeben werden müssen.
Anders als in Großbritannien oder den USA werden die Big Four in Australien nicht als Kapitalgesellschaften geführt, sondern als Partnerschaften. Damit entgehen sie der Aufsicht durch die Wertpapierbehörde ASIC. Genau hier setzt die Kritik an. Beim australischen Prüfungsmarkt sind die Vier bislang praktisch konkurrenzlos: 2022 prüften sie 96 Prozent der 200 größten Konzerne des Landes.
Assistant Treasurer Daniel Mulino nannte das Verhalten einiger Häuser unfair und unehrlich und sieht das Vertrauen in die Branche beschädigt. Die Vorschläge greifen weitgehend jene Empfehlungen auf, die parlamentarische Untersuchungen nach dem PwC-Steuerdatenskandal von 2023 ausgesprochen hatten. Umgesetzt wurde bislang das meiste davon nicht.
Senatorin Deborah O'Neill, die die Vorwürfe gegen KPMG im März öffentlich gemacht hatte, warnt, die Häuser würden erbittert um ihre bestehenden Strukturen kämpfen. Barbara Pocock von den Grünen fordert schnelle Umsetzung statt weiterer Prüfschleifen. Der frühere KPMG-Partner und Whistleblower Brendan Lyon geht noch weiter: Die vorgeschlagenen Änderungen seien Kosmetik, die Häuser müssten als Kapitalgesellschaften reguliert werden.
Alle vier Beratungsgesellschaften signalisierten Kooperationsbereitschaft. Deloitte begrüßt die Debatte, EY unterstützt viele der Vorschläge. PwC verweist auf den bereits laufenden Umbau seiner Strukturen, KPMG will Reformen zur Stärkung von Governance und Unabhängigkeit mittragen.




